Der Generalsekretär der IAEA, Rafael Grossi, hat beunruhigende Daten vorgelegt: Am Kernkraftwerk Saporischschja wurde der längste Kommunikationsausfall seit Beginn des umfassenden Krieges registriert. Während 12 Stunden war die Anlage vollständig vom Außenkontakt abgeschnitten, was mit einer deutlichen Intensivierung der Kampfhandlungen im Raum Enerhodar zusammenfiel.

Isolation von der Welt und Sicherheitsrisiken

Am Mittwoch fielen Festnetztelefonie und Internet auf dem Gelände aus. Die genauen Ursachen des Ausfalls konnten nicht geklärt werden, doch der zeitliche Ablauf lässt kaum Zweifel an einem Zusammenhang mit Beschuss zu. In Enerhodar, wo ein Großteil des Personals lebt, wurden zu dieser Zeit Angriffe verzeichnet. Grossi betonte, dass der Verlust des Kontakts zu den Experten vor Ort nicht nur ein technisches Problem, sondern eine kritische Bedrohung der nuklearen Sicherheit darstellt.

Energetische Verwundbarkeit

Die Situation wird durch chronische Probleme bei der Stromversorgung verschärft. Derzeit wird das Kernkraftwerk über eine einzige Hochspannungsleitung versorgt, da die Hauptleitung bereits im März abgeschaltet wurde. Vor dem Krieg arbeitete die Anlage mit zehn Leitungen. Zudem wurden in der Umgebung der Anlage Drohnenangriffe auf zivile Objekte und Dienstfahrzeuge registriert, was zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Dieselkraftstofflieferungen führte.

Die IAEA gibt an, dass die aktuellen Kraftstoffvorräte für zehn Tage Betrieb der Notstromaggregate ausreichen, jedoch bleibt die Stabilität dieser Lieferungen für das Kühlsystem der Reaktoren kritisch. Jegliche Störungen in der Logistik des Kraftstoffs vor dem Hintergrund der Verwundbarkeit der externen Stromnetze machen die Situation extrem instabil.

Verhandlungen über Reparaturen und Hilfe für die Ukraine

Die Agentur führt weiterhin schwierige Konsultationen mit Kiew und Moskau über ein lokales Feuerstillstand, der für die Reparatur der 750-kV-Leitung notwendig ist. Die Nähe zur Frontlinie erschwert jedoch sowohl den Verhandlungsprozess als auch die Durchführung von Wiederherstellungsarbeiten erheblich.

Parallel zur Überwachung des Kernkraftwerks Saporischschja dokumentieren IAEA-Experten die Aktivität von Drohnen in der Tschernobyl-Zone – innerhalb einer Woche wurden etwa 20 Fluggeräte gesichtet. Gleichzeitig setzt die Agentur ihre humanitäre Mission fort: Die Ukraine erhielt spezielle Ausrüstung für Energieversorger in der Oblast Nikolajew, die helfen wird, Störungen schneller zu erkennen und die Zuverlässigkeit des regionalen Energiesystems zu erhöhen.