In Mehrfamilienhäusern in der Ukraine herrscht eine kritische Situation hinsichtlich des Zustands der vertikalen Transportinfrastruktur. Aktuellen Expertendaten zufolge haben über 68.000 Aufzüge im Land bereits die Betriebsgrenze von 25 Jahren überschritten, und ein Viertel des Gesamtbestands ist seit mehr als vier Jahrzehnten in Betrieb. Vor diesem Hintergrund birgt der Verschleiß des Wohnungsbestands ernsthafte Risiken für die Sicherheit der Bürger.
Ausmaß des Problems und erforderliche Investitionen
Bei der Bewertung des Finanzbedarfs der Branche nannte Igor Tkatschenko, CEO der Unternehmensgruppe „Euroformat Aufzüge“, großflächige Zahlen. Ausgehend von den geschätzten Kosten für den Austausch eines Aufzugs einschließlich der Montagearbeiten in Höhe von rund 2 Millionen Hrywnja und der Gesamtzahl veralteter Anlagen wird der Investitionsbedarf auf 130 bis 140 Milliarden Hrywnja geschätzt. Zum Vergleich: Experten weisen darauf hin, dass dieser Betrag mit den Budgets der vorkriegszeitlichen Großprojekte im Straßenbau des Staates vergleichbar ist.
Regionales Ungleichgewicht und Alterungsrate
Statistischen Daten zufolge gibt es landesweit rund 90.000 Aufzüge, doch das Tempo ihrer physischen Alterung übertrifft die Erneuerungsprogramme erheblich. Jedes Jahr überschreitet eine größere Anzahl von Anlagen die 25-Jahres-Grenze, als ersetzt oder modernisiert werden kann. So tauscht die Hauptstadt jährlich etwa 500 Aufzüge aus, während in anderen Großstädten wie Odessa und Dnipro die Ressourcen hauptsächlich für die Instandhaltung im Rahmen laufender Reparaturen eingesetzt werden.
Widersprüchliche Daten
Einerseits drängen Marktvertreter und der Aufzugsverband seit Jahren auf die Verabschiedung eines umfassenden nationalen Programms zur Modernisierung der kritischen Infrastruktur. Andererseits sind sich Fachleute und Beamte einig, dass in den aktuellen Realitäten großflächige staatliche Investitionen in diesem Bereich aufgrund der Priorität anderer Aufgaben verschoben werden könnten. Gleichzeitig gibt es im Land seit zwei Jahren einen staatlichen Förderungsmechanismus – ein Programm zur Kompensation von 15% der Kosten (ohne MwSt.) beim Kauf von inländischen Aufzügen mit einem Lokalisierungsgrad von mindestens 40%.
Marktaussichten und Sicherheit
Experten warnen, dass bei Beibehaltung der bisherigen Austauschraten die Unfallquote unweigerlich steigen wird. Gleichzeitig wird prognostiziert, dass nach Kriegsende die Nachfrage nach Aufzugsanlagen stark ansteigen wird. Dies wird sowohl durch die Notwendigkeit einer umfassenden Wiederherstellung des Wohnungsbestands als auch durch die Einführung neuer europäischer Standards angetrieben, wonach das Vorhandensein eines Aufzugs in Neubauten ab vier Etagen zur Pflicht wird.