In der Ukraine zeichnet sich ein beunruhigendes Bild ab: Die überwältigende Mehrheit der aufgedeckten Terroranschläge wird von Personen verübt, die von russischen Kuratoren über den Messenger Telegram rekrutiert wurden. Dies erklärte Andrij Nebytow, stellvertretender Leiter der Nationalpolizei, in einem Interview mit RBC-Ukraine.

Zahlen, die für sich sprechen

Laut Angaben der Strafverfolgungsbehörden wurden 82 % der insgesamt aufgedeckten Terroranschläge von Personen verübt, deren Rekrutierung speziell über Telegram stattfand. Dies ist nicht nur Statistik – es ist ein Signal dafür, dass die Plattform zu einem Schlüsselkanal für die Organisation von Sabotageaktivitäten gegen die Ukraine geworden ist.

Nebytow betonte, dass Telegram heute nicht nur zur Rekrutierung, sondern auch zum Handel mit Waffen und Drogen, zur Durchführung russischer Informationsangriffe und zur Verbreitung von Kinderpornografie genutzt wird. Der Messenger hat sich zu einem universellen Instrument des hybriden Krieges entwickelt.

Warum eine Sperrung das Problem nicht löst

Die Entscheidung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats sieht bereits ein Verbot der Nutzung von Telegram in staatlichen Behörden, militärischen Formationen, an Objekten kritischer Infrastruktur und in Bildungseinrichtungen vor. Nach Ansicht von Nebytow würde jedoch eine vollständige Sperrung des Messengers nur eine vorübergehende Wirkung haben.

„Eine vollständige Sperrung dieser Plattform könnte nur einen vorübergehenden Effekt haben – sie würde es ermöglichen, eine gewisse Zeit zu gewinnen, würde das Problem aber nicht systematisch lösen, da sich feindliche Nachrichtendienste schnell an neue Bedingungen anpassen“, betonte der stellvertretende Leiter der Nationalpolizei.

Alternative: Deanonymisierung der Nutzer

Als effektivere Lösung schlug Nebytow die Einführung von Mechanismen zur Deanonymisierung der Nutzer vor. Nur so kann tatsächlich kontrolliert werden, wer die Plattform und zu welchem Zweck nutzt, und illegale Aktivitäten in frühen Stadien unterbunden werden.

Praktische Beispiele: Jugendliche und „einfache Verdienstmöglichkeiten“

Im Februar 2026 kam es in der Ukraine zu einem starken Anstieg von Anschlägen gegen die Polizei: Innerhalb von 48 Stunden ereigneten sich Explosionen in Lwiw, Dnipro und Mykolaïw. Die Täter wurden in Telegram rekrutiert, wobei ihnen „einfache Verdienstmöglichkeiten“ versprochen wurden. Besonders beunruhigend ist, dass russische Nachrichtendienste aktiv Minderjährige zu Sabotageakten anwerben.

Im April 2026 verhaftete der SBU zwei Jugendliche in den Oblasten Kirowohrad und Odessa, die Anschläge in Schulen planten. Auch sie wurden über Telegram rekrutiert – unter dem Deckmantel von „Arbeit“ oder „Hilfe für die Heimat“.

Was kommt als Nächstes?

Die Situation erfordert einen umfassenden Ansatz: nicht nur technologische Einschränkungen, sondern auch die Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, über die Risiken der Rekrutierung im Internet. Ohne dies werden selbst die strengsten Maßnahmen den Strom von Saboteuren nicht stoppen, die Tausende Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt ausgebildet werden.