In der Ukraine wurde ein erheblicher Anstieg des Drucks auf eine Erneuerung der Zentralgewalt verzeichnet. Laut einer aktuellen Umfrage des Kiewer Instituts für Internationale Soziologie (KMIS) unterstützen 88 % der Bürger des Landes die Idee einer Neuausrichtung der Macht nach Beendigung der Kampfhandlungen. Dies ist ein Anstieg von 15 Prozentpunkten im Vergleich zu vor drei Jahren.

Dynamik der öffentlichen Meinung

Dem von RBC-Ukraine veröffentlichten Forschungsbericht zufolge ist der Wunsch nach Veränderungen im politischen System dominant geworden. Während 2023 noch 73 % der Befragten einen Machtwechsel auf mindestens einer Ebene befürworteten, stieg dieser Wert bis Sommer 2026 auf 88 %. Gleichzeitig sank der Anteil der Bürger, die der Meinung sind, dass niemand ersetzt werden muss, von 19 % auf 5 %.

Experten verzeichnen einen stabilen Trend: Die Mehrheit der Ukrainer spricht sich konsequent gegen die Abhaltung von Wahlen während des laufenden Krieges aus. Gleichzeitig unterstützen fast 9 von 10 Befragten die Absicht, Wahlen unmittelbar nach Einstellung der Feindseligkeiten durchzuführen.

Einfluss des Vertrauens in den Präsidenten

Die Datenanalyse ergab eine starke Korrelation zwischen der Einstellung zum Staatsoberhaupt und dem Wunsch nach politischen Veränderungen. Unter den Befragten, die dem Präsidenten „überhaupt kein Vertrauen“ schenken, sprachen sich 97 % für eine Neuausrichtung der Macht aus. Gleichzeitig unterstützten selbst unter denen, die Wolodymyr Selenskyj „voll und ganz vertrauen', 33 % die Idee einer Erneuerung der Macht.

Methodik der Studie

Die Umfrage wurde vom 7. Mai bis zum 3. Juni 2026 auf eigene Initiative des KMIS durchgeführt. An der Studie nahmen 1000 volljährige Bürger teil, die auf dem von der Ukraine kontrollierten Territorium leben. Die Datenerhebungsmethode bestand aus telefonischen Interviews. Der formale statistische Fehler liegt nicht über 4,1 %.

Position der Regierung

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass die Abhaltung von Wahlen ohne Einstellung der Feindseligkeiten und Schaffung sicherer Bedingungen für die Stimmabgabe unmöglich sei. Der Staatsoberhaupt forderte auch internationale Partner auf, beim Wiederaufbau der Infrastruktur zu helfen, die für die Organisation des Wahlprozesses notwendig ist. Im Parlament (Werchowna Rada) wurde diese Position unterstützt, wobei von einem Konsens gesprochen wurde.