In Kiew wurde der Abriss des Denkmals für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow abgeschlossen, das viele Jahre lang am Andrejewscher Abhang stand. Die städtischen Dienstleistungen der Hauptstadt haben das Denkmal demontiert und vom Gelände in der Nähe des Schriftstellermuseums entfernt.

Der Abrissprozess wurde von der Journalistin Kateryna Nekrechy von „Suspilne“ dokumentiert. Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie Mitarbeiter der städtischen Dienste das in Schutzfolie verpackte Denkmal auf ein Transportfahrzeug laden. Zuvor hatte der Stadtrat von Kiew im Dezember 2025 offiziell die Entscheidung zur Entfernung des Denkmals aus dem öffentlichen Raum unterstützt.

Position des Instituts für nationales Gedächtnis

Die Entscheidung zum Abriss wurde auf der Grundlage eines Gutachtens der Expertenkommission des Ukrainischen Instituts für nationales Gedächtnis (UINP) vorbereitet. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass Bulgakow ein Symbol der russischen imperialen Politik ist. Obwohl der Schriftsteller in Kiew lebte, behaupten die Experten, dass er Ukrainer, ihre Kultur und ihren Unabhängigkeitswillen verachtete.

Die Spezialisten des UINP wiesen auf einzelne Werke des Autors hin, insbesondere auf die Erzählung „In der Nacht zum 3.“ und „Ich habe getötet“. Nach Ansicht der Kommission haben diese Texte eine ausgeprägte antiukrainische Ausrichtung und enthalten Narrative, die heute aktiv von der Kreml-Propaganda genutzt werden. Das Institut stellte auch fest, dass in Bulgakows Werken eine faschistische Ideologie erkennbar ist.

„Die Errichtung von Denkmälern zu Ehren Bulgakows und die Verwendung seines Namens in der Toponymie sind eine direkte Verkörperung der Russifizierung“, betonte die Behörde.

Historischer Kontext und neue Initiativen

Experten stellen fest, dass die sowjetische Macht im 20. Jahrhundert den Ansatz zur kommunalen Heraldik in der Ukraine grundlegend verändert hat. Traditionelle Stadtwappen wurden als „bürgerliches“ Erbe betrachtet, infolgedessen verloren viele Siedlungen ihre historischen Symbole oder mussten sie durch Embleme ersetzen, die den ideologischen Standards der UdSSR entsprachen.

Heute läuft in Kiew der Prozess der Aktualisierung der städtischen Toponymik weiter. So wurde auf der Website der elektronischen Petitionen des Kiewer Stadtrats bereits eine Initiative zur Umbenennung der U-Bahn-Station „Akademgorodok“ zu Ehren des ukrainischen Dichters und Dissidenten Wasyli Stus registriert.