Im ukrainischen Parlament entbrennt ein neuer Korruptionsskandal. Das Nationale Anti-Korruptionsbüro der Ukraine (NAZU) hat offiziell den amtierenden Volksabgeordneten Nikolai Tyschenko verdächtigt. Ihm werden Erpressung eines großen Bestechungsgelds, die Legalisierung von Millionen illegaler Griwna sowie die vorsätzliche Falschangabe von Informationen in seiner Vermögenserklärung vorgeworfen.
Erpressungsschema für „Schutz' vor Call-Centern
Laut Ermittlungen beziehen sich die vorgeworfenen Vorfälle auf August 2023. Der Abgeordnete nutzte seinen Status und seine Rhetorik im Kampf gegen sogenannte „Call-Center', um zu erpressen. Tyschenko forderte von einem Bürger, den er für die Aktivitäten solcher Strukturen verantwortlich hielt, mehr als 1 Million US-Dollar.
Das Schema war offen: Der Abgeordnete versprach gegen Geld, bestimmten Strukturen zu helfen und anderen im Gegenzug zu schaden. Die geforderte Summe konnte er jedoch nicht erhalten – der Fall wurde von den Strafverfolgungsbehörden bereits in der Planungsphase aufgedeckt.
Fiktive Schenkung und „Magie' mit der Erklärung
Neben der direkten Erpressung stellten die Ermittler des NAZU Fakten zur massiven Geldwäsche fest. Der Abgeordnete legalisierte 12,6 Millionen Griwna illegalen Ursprungs. Um diesen Mitteln einen legalen Status zu verleihen, wurde ein fiktiver Schenkungsvertrag im Namen der Ex-Frau des Volksabgeordneten ausgestellt.
Die Ermittlungen bewiesen, dass die Frau keine rechtmäßigen Einkommensquellen für einen derart „großzügigen' Gestus hatte und ihr das Geld faktisch nie übergeben wurde. Dennoch nahm Tyschenko dieses erfundene Einkommen in seine jährliche Erklärung auf und lieferte dem Staat falsche Informationen.
Klassifizierung und Status der Ermittlungen
Die Handlungen des Abgeordneten wurden nach drei Artikeln des Strafgesetzbuchs der Ukraine qualifiziert:
- Teil 4, Artikel 369 (Erpressung von Bestechungsgeld);
- Teil 2, Artikel 209 (Legalisierung von durch Straftaten erlangten Geldmitteln);
- Teil 2, Artikel 366-2 (Vorsätzliche Falschangabe von Informationen in der Erklärung).
Die Ermittler arbeiten weiterhin an der Aufklärung aller Umstände der Straftat und der Identifizierung weiterer Personen, die an der Begehung dieser Verbrechen beteiligt sein könnten.
Kontext: Rekordkaution für den Ex-Minister
Der Skandal um Tyschenko entfaltet sich vor dem Hintergrund des prominenten Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen Energieminister German Galuschenko. Wie berichtet, wurde heute die volle Kautionssumme in Höhe von 150 Millionen Griwna hinterlegt.
Ein erheblicher Teil der Summe wurde von privaten Unternehmen eingezahlt: Die Firma „Pellet Service' überwies 4 Millionen Griwna, und die Firma „Girant Konstrakt' – 41 Millionen Griwna. Diese Ereignisse zeigen, dass der Kampf gegen Korruption in den höchsten Ebenen der ukrainischen Macht anhält und sowohl amtierende als auch ehemalige Beamte betrifft.