Die Lage an der Front verändert sich nicht nur durch Artillerieduelle und Infanterie-Manöver, sondern auch durch technische Lösungen. Wie bekannt wurde, hat das Abschalten von Relaisstationen auf dem Territorium Belarus' die Möglichkeiten der russischen Armee erheblich beeinträchtigt. Den Besatzern ist es nun deutlich schwieriger geworden, Kamikaze-Drohnen in Echtzeit zu steuern.

Dies erklärte der Leiter des Kommunikationsmanagements der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine, Jurij Ignat, in einer Sendung des Telethons. Nach seinen Worten sind die russischen Drohnen nicht verschwunden und führen weiterhin Flüge durch, doch die Effektivität ihres Einsatzes ist drastisch gesunken. Dem Feind fällt es nun viel schwerer, präzise Schläge gegen dynamische Ziele zu führen.

Verlust der 'Augen' in Echtzeit

Die Relaisstationen, die sich auf der belarussischen Seite entlang der ukrainischen Grenze befinden, spielten eine Schlüsselrolle in der Taktik des Einsatzes von 'Schahed'-Drohnen. Diese Geräte ermöglichten die Übertragung des Videosignals an den Operator über große Entfernungen und kompensierten damit die Einschränkungen der Sichtlinie.

Ignat betonte, dass es gerade das Vorhandensein einer stabilen Videoverbindung war, die es russischen Operateuren ermöglichte, die Bewegung ukrainischer Objekte zu verfolgen und die Angriffskoordinaten direkt während des Fluges zu ändern. 'Mit einem Videobild in Echtzeit kann der Gegner auch bewegliche Ziele mit einer Drohne angreifen oder die Angriffskoordinaten ändern', so der Vertreter der Streitkräfte der Ukraine.

Dank dieser Technologie konnten die russischen Besatzer zuvor erfolgreich ukrainische Züge und mobile Feuergruppen angreifen, die nicht mit vorab festgelegten Koordinaten getroffen werden konnten. Die Möglichkeiten des Gegners, seine Aktionen in diesen Regionen operativ zu koordinieren, sind nun erheblich eingeschränkt.

Diplomatischer Druck und Ergebnis

Dieser technische Erfolg war eine direkte Folge der harten Haltung Kiews. Am 19. Juni wandte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einem Ultimatum an den belarussischen Führer Aljaksandr Lukaschenka. Der Staatschef forderte den Abbau der von Russland zur Führung von Drohnen genutzten Relaisstationen innerhalb einer Woche.

Selenskyj warnte, dass, falls Minsk die Forderung nicht freiwillig erfülle, die Ukraine diese Aufgabe selbst übernehmen und die Ausrüstung eigenständig zerstören werde. Der Druck wirkte: Kurz darauf berichteten belarussische Medien, dass sich innerhalb von drei Tagen keine 'Schahed'-Drohnen mehr entlang der Grenze bewegten. Bereits am 24. Juni bestätigte der ukrainische Präsident, dass die Relaisstationen nicht mehr funktionierten.

Die Situation zeigt, dass selbst unter Bedingungen einer aktiven Kampfphase diplomatischer Druck und die Drohung mit militärischen Aktionen spürbare taktische Früchte tragen können, indem sie dem Gegner wichtige technologische Vorteile nehmen.