Die ukrainische Verteidigungsindustrie befindet sich an einem Wendepunkt, an dem die Frage der technologischen Unabhängigkeit nicht mehr theoretisch ist, sondern eine Frage des Überlebens. Ein leuchtendes Beispiel für diese Transformation ist das Unternehmen „General Chereschnja', das seine logistischen Ketten aktiv umstrukturiert, um die Abhängigkeit von chinesischen Komponenten zu minimieren.
Strategisches Risiko globalen Ausmaßes
Jaroslaw Gryshyn, Mitbegründer des Drohnenherstellers, hat in einem Interview mit RBC-Ukraine das Hauptproblem der Branche benannt. Nach seiner Meinung ist die Abhängigkeit von chinesischen Komponenten nicht nur eine lokale Frage für die Ukraine, sondern ein strategisches Risiko für die gesamte Welt.
„Solange ist es kein Problem, aber es ist ein Risiko, das wir minimieren müssen, indem wir unsere eigenen hochwertigen Komponenten herstellen', betonte Gryshyn. Genau dieser Gedanke wurde zum Ausgangspunkt für die Suche nach neuen Partnern und Technologien.
Neue Richtung: Partnerschaft mit Kroatien
Statt weiterhin Teile aus Asien zu beziehen, hat „General Chereschnja' seine Bemühungen auf einen europäischen Hersteller gelenkt. Der Schlüsselpartner in diesem Prozess ist das kroatische Unternehmen ORQA.
Das Besondere an dieser Zusammenarbeit ist, dass ORQA alle seine Komponenten vollständig ohne Verwendung chinesischer Teile herstellt. Gryshyn stellte fest, dass die Arbeit in diesem Bereich sehr aktiv voranschreitet und bereits Früchte trägt:
- Das Unternehmen baut bereits Drohnen mit Teilen des kroatischen Partners.
- In den nächsten Plänen steht der Start der eigenen Produktion solcher Teile direkt in der Ukraine.
Die Geografie der Einkäufe verändert sich
Der Trend zur Abkehr vom chinesischen Monopol wird auch auf Makroebene bestätigt. In den letzten Jahren ist ein allmählicher „geografischer' Wechsel der Einkäufe zu beobachten. War Peking früher der unersetzliche Lieferant, so verlagern sich jetzt Teile der Aufträge in die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Taiwan und Südkorea.
Auch innerhalb der Ukraines steigt das Produktionsvolumen von Komponenten für die Verteidigungsindustrie. Experten stellen jedoch fest, dass die komplexesten Technologien nach wie vor vom Import abhängig sind.
Zahlen zur Lokalisierung
Laut offenen Schätzungen ist der Anteil chinesischer Komponenten in der Konstruktion ukrainischer Drohnen im vergangenen Jahr auf etwa 38 % gesunken. Dennoch ist die Situation in der Branche nicht einheitlich und hängt stark vom jeweiligen Produkt und Hersteller ab.
Einige ukrainische Unternehmen haben bereits einen Lokalisierungsgrad von bis zu 90 % erreicht und demonstrieren ein hohes Maß an Autonomie. Gleichzeitig sind einzelne Produkte nach wie vor in erheblichem Maße von Lieferungen aus dem Ausland abhängig, was die Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung der eigenen Produktionsbasis unterstreicht.