In der Ukraine reift eine ernste Krise im Bergbau heran. Der achtmonatige Stillstand der Aufbereitungsanlage Tscherwonohrad (ZOF) gefährdet den Betrieb staatlicher Kohlenminen und die stabile Kohleversorgung des Landes vor der bevorstehenden Heizperiode. Das strategische Unternehmen, von dem die Funktionsfähigkeit eines ganzen Bergbau-Clusters abhängt, steht kurz vor dem vollständigen Zusammenbruch.

Paradoxon: Gerichte statt Kohle

Laut Angaben des Volksabgeordneten und Vorsitzenden des Unabhängigen Bergarbeitergewerkschafts der Ukraine, Mychajlo Wolynec, ist die Fabrik seit Januar 2026 stillgelegt. In dieser Zeit hat sich die Situation am Objekt kritisch zugespitzt. Aufgrund aufgelaufener Lohnschulden sind qualifizierte Mitarbeiter gezwungen, zu kündigen, Produktionsanlagen verfallen und in den Bunkern kommt es zu Selbstentzündungen der Kohle.

Das Paradoxon besteht darin, dass das Sanierungsverfahren für das Unternehmen bereits seit fast acht Jahren läuft, ein genehmigter Plan zur Bewältigung der Krise jedoch bis heute fehlt. Das Gesetz sieht für die Vorlage eines solchen Plans lediglich drei Monate vor, doch die Gerichtsverfahren ziehen sich in die Länge. Die Frage der Ernennung eines neuen Sanierungsverwalters wurde vom Gericht auf den 19. August verschoben.

Kampf um die Führung und ökologische Folgen

Der Hauptkonflikt dreht sich um die Ernennung eines Insolvenzverwalters. Private Gläubiger kämpfen weiterhin für ihre Kandidaten, während staatliche Behörden und kommunale Unternehmen, die über die Mehrheit der Forderungen verfügen, eine unabhängige Kandidatur unterstützen.

Die Folgen der Verzögerung werden bereits nicht nur von den Arbeitern der Fabrik, sondern auch von den Bewohnern des Dorfes Sosnowka gespürt. Die lokale Gemeinde registriert ernste Probleme:

  • Luftverschmutzung aufgrund fehlender Kontrolle der Emissionen;
  • Zerstörung der Straßen;
  • Ökologische Schäden durch den Transport von kohlehaltigem Schlamm mit schweren Lastwagen durch Wohngebiete.

Gefährdung der Energiesicherheit

Die Bedeutung der Aufbereitungsanlage Tscherwonohrad für die Energiesicherheit der Ukraine hat nach der Zerstörung industrieller Kapazitäten im Osten des Landes durch russische Angriffe zugenommen. Ohne die Wiederaufnahme des Betriebs der Fabrik verlieren die staatlichen Minen des Lwiw-Wolyn-Beckens die Möglichkeit, aufbereitetes Kohle stabil an die staatliche Wärmekraftproduktion zu liefern.

Der Volksabgeordnete Mychajlo Bondar hatte zuvor ebenfalls gewarnt, dass ohne effektives staatliches Management und Stabilisierung der Betriebsabläufe die Risiken für die Vorbereitung auf die Heizperiode steigen. Wie Mychajlo Wolynec zusammenfasste: »Die Heizperiode lässt sich nicht durch Geschwätz und das Untätigsein der Gerichte sicherstellen«.