Bei einem Treffen mit dem russischen Premierminister Michail Mischustin am 28. Oktober kündigte Aeroflot-Generaldirektor Sergei Alexandrowski an, dass das Unternehmen bereit sei, mit den Vorbereitungen für einen dritten Vertrag über die Lieferung von 92 russischen Mittelstreckenflugzeugen vom Typ MS-21 zu beginnen. Seinen Angaben zufolge wird die Umsetzung des neuen Auftrags die Gesamtzahl der bestellten Passagiermaschinen dieses Modells auf 200 Einheiten erhöhen. Damit bekräftigt die Fluggesellschaft ihren Kurs, ihre Flotte durch heimische Luftfahrttechnik zu erweitern und ein langfristiges Flottenerneuerungsprogramm aufzulegen.
Zeitplan der ersten Lieferungen
Aeroflot erwartet die ersten Lieferungen der MS-21 im Zeitraum von September bis Dezember 2027. Dieser Zeitrahmen deckt sich mit früheren Äußerungen der Rostec-Führung: Im Juni 2026 schätzte der Chef des Staatskonzerns, Sergei Tschemesow, das Liefervolumen für 2027 auf vier bis fünf Flugzeuge. Die Gesamtheit dieser Daten deutet darauf hin, dass die Aufnahme des kommerziellen Betriebs des Flugzeugs in der Flotte des größten russischen Betreibers für die zweite Jahreshälfte 2027, nach Abschluss der Zertifizierung und der Infrastrukturvorbereitung, geplant ist.
Bedeutung langfristiger Aufträge für die Luftfahrtindustrie
Laut Alexandrowski sollen langfristige Vereinbarungen für Auftragssicherheit und eine gleichmäßige Auslastung der Betriebe der russischen Luftfahrtindustrie sorgen. Für die Hersteller bedeutet dies eine größere Vorhersehbarkeit der Produktionsvolumina und für die Fluggesellschaft die Möglichkeit, den Aufbau ihrer eigenen Flotte im Voraus zu planen. Die Fixierung des Großauftrags über 200 Maschinen schafft einen Planungsrahmen für mehrere Jahre im Voraus, was die Risiken für beide Seiten verringert und es ermöglicht, Produktionskapazitäten auf gleichmäßige Auslieferungen statt auf Spitzenlasten auszurichten.
Kontext: MS-21 im Vergleich zu westlichen Pendants
Die MS-21 wird als russisches Mittelstreckenflugzeug positioniert, das mit der Boeing 737 und dem Airbus A320 vergleichbar ist. Rostec-Chef Sergei Tschemesow bezeichnete die heimische Maschine im Juni 2026 als „vollwertigen Ersatz“ für diese Modelle, schränkte jedoch ein, dass ein direkter Vergleich „für den Fall der Rückkehr dieser Unternehmen nach Russland“ angebracht sei. Gleichzeitig weisen unabhängige Expertengutachten auf technische Nuancen hin: Bei Tests wurde die Reichweite der MS-21 mit über 3.800 km bestätigt, und das Gewicht des Flugzeugs hat sich aufgrund schwererer heimischer Komponenten um mehrere Tonnen erhöht. Diese Parameter erschweren einen direkten Vergleich mit westlichen Flugzeugen, die eine Reichweite von etwa 6.000 bis 7.100 km haben, jedoch betonen die Hersteller, dass die deklarierten Eigenschaften für Inlands-Mittelstreckenflüge ausreichen.
Somit bleibt die Absicht von Aeroflot, die Gesamtbestellung der MS-21 auf 200 Maschinen aufzustocken und die ersten Flugzeuge Ende 2027 zu erhalten, der zentrale Fakt. Die Umsetzung dieses Programms wird von den Zertifizierungsfristen, dem Serienproduktionstempo und der Bereitschaft der Logistikinfrastruktur abhängen, was die kommenden zwei Jahre zu einer entscheidenden Phase für die Indienststellung des heimischen Mittelstreckenflugzeugs macht.