Am 13. August 2026 sah sich Rumänien einer ernsthaften Herausforderung im Energiesektor gegenüber. Das Atomkraftwerk in der Stadt Cernavodă, ein wichtiger Stromlieferant des Landes, musste seinen zweiten Reaktorblock stilllegen. Grund hierfür war ein kritischer Mangel an Wasser in der Donau, das zur Kühlung der Reaktoren genutzt wird. Dieses Ereignis ist die Fortsetzung eines regionalen Problems, mit dem auch Nachbarstaaten in dieser Saison konfrontiert sind.

Technische Details der Abschaltung und Sicherheitsmaßnahmen

Das Verfahren zur kontrollierten Abschaltung des Reaktorblocks Nr. 2 begann morgens um 07:00 Uhr Ortszeit. Bis 11:00 Uhr hatte das Kraftwerk die Stromlieferung in das nationale Netz vollständig eingestellt und dabei etwa 680 Megawatt an erzeugter Leistung verloren. Der Betreiber des AKW, die Firma Nuclearelectrica, bestätigte, dass die Entscheidung aufgrund des anhaltenden und erheblichen Rückgangs des Wasserstands in der Donau getroffen wurde, was eine sichere Kühlung des Reaktors unmöglich macht.

Das Unternehmen betonte, dass die Abschaltung in strikter Übereinstimmung mit allen internationalen Sicherheitsstandards durchgeführt wurde. „Die Aufrechterhaltung beider Reaktorblöcke im sicheren Abschaltzustand hat keine Auswirkungen auf die Parameter der nuklearen Sicherheit, insbesondere auf das Personal, die Umwelt und die Bevölkerung“, so die Pressemitteilung des Betreibers. Dies bedeutet, dass die Situation vollständig unter Kontrolle ist und keine Gefahr für die Anwohner der Region darstellt.

Energiemangel und Import von Leistungskapazitäten

Der Verlust der Leistung des AKW in Cernavodă hat eine erhebliche Lücke im Energiehaushalt Rumäniens geschaffen. Um den Defizit auszugleichen, sah sich das Land gezwungen, Mechanismen für den Stromimport zu aktivieren. Nuclearelectrica begann, unter Mitwirkung des moldawischen Lieferanten Energocom, Elektrizität aus der Ukraine zu kaufen. Diese Transitroute wurde für die Stabilisierung des Netzes unter Bedingungen extremer Hitze und reduzierter Erzeugung kritisch wichtig.

Die genauen Zeitpunkte für die Wiederaufnahme des Betriebs des AKW sind derzeit noch unbekannt. Prognosen der Hydrologen deuten auf einen weiteren Rückgang des Wasserstands in den kommenden Tagen hin, was jede Vorhersage über einen Neustart vorverlegt erscheinen lässt. Selbst wenn der Wasserstand den Wiederaufnahme des Betriebs zulässt, werden noch ein bis zwei Tage für das Verfahren der sicheren Inbetriebnahme und die Integration des Blocks in das Energiesystem benötigt.

Position der Behörden: Haushaltskunden sind geschützt

Trotz der Ernsthaftigkeit der Lage versuchen die rumänischen Behörden die Bevölkerung zu beruhigen. Staatssekretär des Ministeriums für Energie, Cristian Bușoi, erklärte, dass normale Bürger und soziale Einrichtungen keine Versorgungsprobleme erleben werden. „Im schlimmsten Fall werden Einschränkungen nur für große Industrieunternehmen eingeführt. Haushaltskunden, Krankenhäuser, Schulen, Apotheken und staatliche Einrichtungen werden im normalen Modus weiterarbeiten – es besteht keine Gefahr“, betonte der Beamte.

So wird die Last also in Richtung des industriellen Sektors verschoben, um die Stabilität für die kritische Infrastruktur und die Bevölkerung zu gewährleisten.

Regionaler Kontext: Ein Problem nicht nur für Rumänien

Die Probleme mit dem niedrigen Wasserstand der Donau haben eine grenzüberschreitende Dimension. Im benachbarten Ungarn, das flussaufwärts liegt, musste aufgrund des rekordverdächtigen Niedrigwasserstands der Donau zuvor ebenfalls das AKW Paks stillgelegt werden. Dies zeugt von einem systematischen klimatischen Phänomen, das die Wasserkraft und die thermische Stromerzeugung im Einzugsgebiet der Donau beeinflusst. Die Situation zeigt die Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur der Region angesichts des Klimawandels und der Dürre.