In den USA entbrennt ein Skandal rund um den Bau eines der weltweit größten Campus für Rechenzentren. Die Umweltschutzorganisation Southern Environmental Law Center (SELC) wirft dem Technologieriesen Amazon und dem Energieversorger Duke Energy vor, den Bundesgesetz über saubere Luft (Clean Air Act) umgehen zu wollen. Auslöser für die Untersuchung ist der groß angelegte Einsatz von Dieselgeneratoren auf einem Gelände in der Stadt Hamlet (Bundesstaat North Carolina).

Aufteilung der Anträge als Mittel zur Umgehung der Kontrolle

Laut Angaben der SELC hat Amazon einen Antrag auf die Installation von 592 Dieselgeneratoren gestellt, die als „Notfall“-Notstromaggregate klassifiziert wurden. Parallel dazu beantragte Duke Energy die Genehmigung für den Einsatz von weiteren 57 mobilen Generatoren zur Sicherstellung der „Haupt“-Versorgung der Rechenzentren, bis diese an das Hauptnetz angeschlossen sind.

Umweltschützer behaupten, dass die Aufteilung der Anträge auf zwei verschiedene Entitäten absichtlich erfolgte. Wären alle 649 Generatoren in einem einzigen Dokument aufgeführt worden, wäre das Projekt deutlich strengeren Umweltvorschriften und Anforderungen zum Umweltschutz unterlegen. Die Aufteilung ermöglicht es den Unternehmen, die Emissionsgrenzwerte für Schadstoffe zu erhöhen, ohne dass Sicherheitsstandards neu überprüft werden müssen.

Position des Energieversorgers und technische Details

Vertreter von Duke Energy haben die Vorwürfe der Gesetzesverletzung dementiert. Das Unternehmen erklärte, die 57 Dieselgeneratoren (DGU) seien ausschließlich zur vorübergehenden Energieversorgung von AWS während der Bauphase und der Geräteprüfung bestimmt. Laut Vertretern des Energieversorgers sind diese Aggregate nicht an das allgemeine Netz von Duke angeschlossen, und alle Betriebskosten trägt ausschließlich Amazon.

Darüber hinaus betonte Duke Energy, dass der Einsatz vorübergehender Generatoren für einen Zeitraum von weniger als einem Jahr genehmigt ist. Die Juristen des Unternehmens verweisen zudem darauf, dass für die Installation einer solchen Anlage keine spezielle Genehmigung erforderlich ist, da sie sich in unmittelbarer Nähe eines bestehenden Kraftwerks befindet. Zur Bestätigung der Transparenz ihrer Vorgehensweise erwähnte Duke Energy die Dieselgeneratoren ausdrücklich im Antrag für das bestehende Gaskraftwerk Smith Energy Complex.

Das bestehende Gaskraftwerk Smith Energy Complex, im Besitz von Duke Energy, wurde 2001 errichtet und hat eine Leistung von 1.247 GW. Es befindet sich buchstäblich nur eine Straße entfernt vom AWS-Gelände. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Amazon plant das Unternehmen, die Leistung des Kraftwerks durch den Einbau einer neuen Gasturbine um weitere 240 MW zu erhöhen. Duke Energy besteht jedoch darauf, dass die Gesamtemissionen aus dem Kraftwerk und den Generatoren innerhalb der festgelegten Umweltgrenzwerte bleiben.

Risiken für die lokale Bevölkerung und Bauplanung

Die Rechtsanwaltskanzlei SELC betont, dass ein so großer Verbund von Dieselgeneratoren eine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner des Richmond County darstellt, in dem Hamlet liegt. Dies ist einer der wirtschaftlich am schlechtesten gestellten Bezirke in North Carolina, und Umweltschützer sind der Ansicht, dass eine der reichsten Unternehmen der Welt verantwortungsvoll handeln muss.

Der Bau des Rechenzentrums-Campus von Amazon begann im Oktober 2025. Das Projekt sieht den Bau von 20 Gebäuden vor, von denen jedes eine Fläche von mehr als 18.580 m² haben wird. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen Ende 2027 beginnen, und die Inbetriebnahme des Objekts ist für Ende 2029 geplant.

Trend der Nutzung „grauer“ Schemata in der Rechenzentrumsindustrie

Der Fall Amazon ist kein Einzelfall. Juristische Tricks im Energiebereich werden für Unternehmen, die mit der Rechenzentrumsindustrie verbunden sind, immer häufiger. Als Beispiel kann die Situation mit SpaceX und xAI dienen, die kürzlich angekündigt haben, auf „halb-legale“ Gasturbinen zu verzichten, die ihre Rechenzentren versorgen. Stattdessen planen die Unternehmen den Aufbau eines stationären Kraftwerks, das ebenfalls aus Dutzenden von Gasturbinen bestehen wird, was die Problematik der Emissionen faktisch nicht ändert.