Angesichts verschärfter westlicher Sanktionen und Lieferbeschränkungen für Hochtechnologieausrüstung setzt die chinesische Industrie auf Importsubstitution. Im Zentrum dieser Strategie steht das Unternehmen AMEC, das sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, mindestens 60 % des Binnenmarkts für fortschrittliche Systeme zur Halbleiterfertigung zu erobern.
Streben nach Marktführerschaft
Laut Daten der Analytikagentur TrendForce, die auf das Magazin The Paper verweist, könnte die Umsetzung dieser Pläne AMEC zum weltweit größten Anbieter von Lithografieanlagen machen. Dies ist möglich, da ein erheblicher Anteil der weltweit produzierten Chips bereits in China gefertigt wird. Wenn man die fortschrittlichen Komponenten nicht berücksichtigt, die in Taiwan und den USA hergestellt werden, wird der chinesische Markt zum dominierenden Faktor.
Die Geschäftsführung von AMEC bestätigt die Bereitschaft zu einer massiven Expansion. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, plant das Unternehmen, sein Sortiment auf mehr als 100 verschiedene Ausrüstungsarten zu erweitern. Die neue Produktlinie wird Lösungen für das Plasmaätzen von Siliziumwafern sowie Systeme für die Abscheidung dünner Schichten umfassen.
Finanzielle Ergebnisse und Investitionen
Die Entwicklungs dynamik des Unternehmens ist beeindruckend. In den letzten 14 Jahren wuchs der installierte Maschinenpark von AMEC jährlich um mehr als 35 %. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz des Unternehmens um 37 % auf 1,8 Milliarden US-Dollar, und der Nettogewinn legte um 31 % auf 313 Millionen US-Dollar zu. Der Umsatz pro Mitarbeiter erreichte 650.000 US-Dollar.
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg ist der Fokus auf Innovationen. Im vergangenen Jahr investierte AMEC 30,2 % seines Umsatzes, was 554 Millionen US-Dollar entspricht, in Forschung und Entwicklung. Allein in diesem Jahr wird das Unternehmen 600.000 m² neue Produktionsflächen an fünf Standorten in China in Betrieb nehmen. In den nächsten fünf Jahren sollen diese Kapazitäten noch einmal um das eineinhalbfache erhöht werden, wobei jährlich mindestens 1 Milliarde US-Dollar in den Bau neuer Objekte investiert werden.
Technologisches Parität und Aussichten
Im vergangenen Jahr lieferte AMEC Kunden weltweit mehr als 6.800 Prozesskammern für das Ätzen von Siliziumwafern. Das Unternehmen bietet Systeme zweier Haupttypen an, die die Bedürfnisse von mehr als 20 Marktsegmenten abdecken. Ein wichtiger Meilenstein ist die Möglichkeit, diese Ausrüstung zur Herstellung von Chips mit Technologien von 65 bis 3 nm zu nutzen.
Bis 2035 plant AMEC, zu den weltweit führenden Unternehmen in Bezug auf Produktionsumfang, Wettbewerbsfähigkeit und Kundenzufriedenheit zu gehören. Bereits heute interagieren Vertreter des Unternehmens mit mehr als 170 Kunden direkt in deren Betrieben.
Trotzdem stellen Experten fest, dass chinesische Hersteller im Bereich der Lithografiescanner den Weltmarktführern noch um mehrere Generationen hinterherhinken. Bei den vorhandenen Produktionsvolumen importsubstituierter Ausrüstungen wird es Zeit brauchen, bis die Bedürfnisse des lokalen Marktes vollständig gedeckt sind. Der Fortschritt ist jedoch offensichtlich, und angesichts der Erfolge der chinesischen Industrie in anderen Branchen bleibt das Potenzial für einen weiteren Sprung erheblich.