In der Nacht zum 15. Juni führte Russland einen massiven Angriff auf die Ukraine durch, bei dem eine der bedeutendsten Heiligtümer des Landes – die Dormitionskathedrale des Kiewer Höhlenklosters – beschädigt wurde. Nach einem Treffer im Stepanowski Anbau brach auf dem Dach der Kirche ein Feuer aus. Die Flammen konnten gelöscht werden, doch der Schaden war erheblich: Der Ikonostase, Wandmalereien und Fresken wurden zerstört. Aus dem Kloster wurden dringend alte Ikonen, Antimensien und andere liturgische Gegenstände evakuiert, und der Komplex wurde vorübergehend für Besucher geschlossen.
Psychologischer Druck und Informationskrieg
Laut dem Institute for the Study of War (ISW) hatte der Angriff auf das Kloster nicht nur militärische, sondern auch psychologische Auswirkungen. Analysten sind der Ansicht, dass Wladimir Putin massive kombinierte Angriffe nutzt, um Druck auf die Zivilbevölkerung der Ukraine auszuüben. Das Ziel ist es, die Stärke Russlands zu demonstrieren und Angst unter den Ukrainern zu säen.
„Putin setzt massive Angriffspakete gegen Kiew ein, um den Willen der Ukraine zum Widerstand zu brechen und gleichzeitig seine eigene Schwäche zu vertuschen, insbesondere die Unfähigkeit, das russische Territorium, einschließlich der russischen Hauptstadt, vor tiefen Angriffen der Ukraine zu schützen“, heißt es im Bericht des ISW.
Desinformation der russischen Behörden
Der russische Informationsraum versucht aktiv, die Aufmerksamkeit von seiner Schuld abzulenken. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass angeblich „bestätigte Berichte“ darauf hindeuten, dass eine ukrainische Patriot-Abwehrrakete das Kiewer Höhlenkloster getroffen habe. Diese Anschuldigungen wurden umgehend von ukrainischen Vertretern dementiert.
Der Pressesprecher der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine, Jurij Ignat, erklärte, dass Trümmer einer Flugabwehrrakete auf dem Boden tatsächlich infolge der Kampftätigkeit der Luftabwehr entstanden sein könnten, die wahrscheinlich eine feindliche Überschallrakete „Zirkon“ abfing.
Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat bestätigte, dass Russland eine koordinierte Offensive im Informationsraum gestartet hat. Der Feind versucht der Welt zwei entgegengesetzte Narrative aufzuzwingen: Entweder zerstört die ukrainische Armee ihre eigenen historischen Objekte selbst, oder diese Denkmäler sind legitime militärische Ziele für die russische Armee.
Reaktion der ukrainischen Behörden
Die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, behauptete frech, der Westen habe die Behauptung gefälscht, dass der Aggressorstaat einen Schlag gegen das Kiewer Höhlenkloster geführt habe. Sie wiederholte zudem die Behauptung des russischen Verteidigungsministeriums, dass eine ukrainische Patriot-Abwehrrakete diesen Ort getroffen habe.
Andere russische Beamte behaupteten, die Ukraine habe den Angriff auf das Kloster inszeniert und Kiew beschuldige Moskau nur, um eine Antwortprovokation zu erzeugen.
Metropolit Epiphanius nannte den Angriff der russischen Armee ein weiteres Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Christentum. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die russischen Besatzer gezielt einen Schlag gegen einen Teil von Kiew geführt hätten, in dem sich das Kiewer Höhlenkloster und der „Kunst-Arsenal“ befinden.
Feststellung der Fakten
Die SBU (Sicherheitsdienst der Ukraine) hat ermittelt, mit welchen Drohnen Russland den Angriff auf das Kiewer Höhlenkloster durchgeführt hat. Das russische Verteidigungsministerium gab seine eigene Version des massiven Angriffs auf die Ukraine heraus, doch unabhängige Quellen und ukrainische Behörden bestehen weiterhin darauf, dass die Verantwortung für den Angriff ausschließlich bei Russland liegt.