Im Hormus-Sund, einem der wichtigsten Knotenpunkte des Welthandels, ist ein schwerwiegender Vorfall geschehen. Der Iran hat ein ziviles Frachtschiff unter singapurischer Flagge angegriffen. Der Angriff ereignete sich vor der Küste Omans und das Schiff wurde nach vorläufigen Berichten von einem unbekannten Projektil getroffen.
Als Folge des Beschusses wurde die Brücke des Schiffes beschädigt. Zum Glück gab es keine menschlichen Opfer und die Besatzung blieb unverletzt. Dennoch gefährdet die bloße Tatsache des Angriffs die Stabilität in der Region und wirft Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Seetransports auf.
Der Kampf um die Routen: USA gegen Iran
Ursache des Vorfalls war die harte Konfrontation zwischen Teheran und Washington bezüglich der Navigationsregeln im Sund. Die Vereinigten Staaten befürworten und fördern eine Route, die entlang der Küste Omans verläuft. Gleichzeitig fordert der Iran, dass alle Schiffe die nördliche Route nutzen müssen.
Nach dem Beschuss gab die PGSA (Persian Gulf Shipping Authority), eine von Teheran unterstützte Behörde, eine harte Erklärung ab. In dem Dokument wird betont, dass jegliche Durchfahrt außerhalb der von der PGSA festgelegten Grenzen nicht unter Sicherheitsgarantien fällt.
In der Mitteilung der Behörde heißt es:
- Schiffe, die nicht genehmigte Routen nutzen, haben keinen Anspruch auf Versicherungsschutz.
- Die Verantwortung für die Folgen der Durchfahrt auf dem „falschen' Weg liegt vollständig beim Eigentümer, Betreiber und Kapitän des Schiffes.
Politischer Hintergrund: Von der Schließung des Sunds zur „Kommunikationslinie'
Die Lage im Sund bleibt angesichts jüngster politischer Ereignisse extrem angespannt. Bereits am 20. Juni wurde bekannt, dass der Iran den Hormus-Sund geschlossen hat, was nur wenige Tage nach dem Abschluss eines Friedensabkommens mit den USA geschah.
Doch bereits am 22. Juni einigten sich Washington und Teheran auf die Einrichtung einer speziellen „Kommunikationslinie'. Es wurde erwartet, dass dieser Mechanismus eine sichere Schifffahrt gewährleisten und das Konfliktrisiko verringern würde.
Am folgenden Tag, dem 23. Juni, erklärte US-Präsident Donald Trump, der Hormus-Sund sei „vollständig geöffnet'. Er stellte zudem fest, dass am 21. Juni mehr Öl durch den Sund transportiert wurde als je zuvor, was zeige, dass die Handelsströme nicht unterbrochen seien.
Am 24. Juni ließen die USA ihrerseits verlauten, dass die Durchfahrt durch den Sund weiterhin kostenlos bleiben werde. Außenminister Mark Rubio betonte, dass kein Land der Welt die Einführung einer Transitgebühr unterstützen werde, was eine direkte Antwort auf mögliche iranische Forderungen darstellte.