Am 18. August griffen russische Streitkräfte einen Vorortzug auf dem Gebiet der Oblast Charkiw an. Dies berichtete das Medium RBC-Ukraine unter Verweis auf die offizielle Veröffentlichung des Staatsunternehmens „Ukrzaliznyzja“. Laut dem Leiter der Oblastverwaltung Charkiw, Oleh Synhubow, kam infolge des Angriffs ein 40-jähriger Mann ums Leben, weitere sieben Passagiere wurden verletzt. Der Vorfall ist Teil einer wachsenden Serie von Angriffen auf die ukrainische Eisenbahninfrastruktur, die in den vergangenen Wochen registriert wurden.

Verlauf des Angriffs und Evakuierung der Passagiere

Den Angaben der „Ukrzaliznyzja“ zufolge entdeckte die Überwachungseinheit des Unternehmens die Gefahr für den Zug als erste. Nach dem Signal über die sich nähernde Bedrohung begann die Zugbesatzung mit der Evakuierung der Passagiere aus dem Zug. Vorläufigen Angaben zufolge erlitten zwei Passagiere schwere Verletzungen gerade während der Evakuierung – sie hatten nicht genügend Abstand zum Zug gewinnen können, bevor der Einschlag erfolgte. Zum Unfallort wurden Rettungsteams und medizinische Einheiten entsandt. Das Unternehmen betonte, dass das Befolgen der Anweisungen der Zugbesatzung und ein Abstand von mindestens 200 Metern zur Eisenbahninfrastruktur bei fehlendem Schutz die Leben retten kann.

Serie von Angriffen: die Vorfälle im September

Der Angriff vom 18. August ist kein Einzelfall. Am Morgen des 16. September griffen russische Streitkräfte den Zug Nr. 122 auf der Strecke „Kiew – Nikolajew“ an. Dank rechtzeitiger Warnung der Passagiere und des Handelns der Eisenbahnbesatzung konnten die Menschen vor dem Einschlag evakuiert werden. Am 13. September wurde ein ähnlicher Vorfall in der Oblast Wolyn registriert: Russische Truppen griffen eine Lokomotive eines Personenzugs nur wenige Kilometer von der ukrainisch-polnischen Grenze an, was nach Einschätzung von Experten geografisch für derartige Angriffe ungewöhnlich ist. Laut 24tv wurden an demselben Tag ab dem Morgen mindestens drei Angriffe auf Züge der „Ukrzaliznyzja“ registriert.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den ersten Meldungen und den aktualisierten Angaben zu den Opfern bestehen Abweichungen. In der Veröffentlichung der „Ukrzaliznyzja“, auf die sich RBC-Ukraine bezieht, wird als vorläufige Information die Zahl „zwei Passagiere erlitten schwere Verletzungen“ genannt. Der Leiter der Oblastverwaltung Charkiw, Oleh Synhubow, meldete jedoch den Tod eines 40-jährigen Mannes und die Verletzung von sieben Personen. Der Unterschied in den Zahlen erklärt sich vermutlich durch die Chronologie: Der erste Sammelbericht des Unternehmens wurde in einer frühen Phase erstellt, während die Angaben der Oblastverwaltung die abschließende Bewertung nach der Arbeit von Ärzten und Rettungskräften vor Ort widerspiegeln. Die genaue Zahl der Toten und Verletzten bleibt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Gegenstand der Klärung.

Systematischer Charakter der Angriffe: über 500 beschädigte Lokomotiven

Russische Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf ukrainische Personenzüge systematisch fort, auch unter Einsatz von Drohnen mit Raketen. Seit Beginn des großangelegten Krieges wurden infolge der Angriffe über 500 Lokomotiven beschädigt oder zerstört, wobei ein erheblicher Teil dieser Verluste auf die letzten Monate des Konflikts entfällt. Experten stellen fest, dass die Angriffe auf Vorort- und Personenzüge den Charakter eines gezielten Drucks auf die zivile Infrastruktur haben und zusätzliche Risiken für die Bevölkerung schaffen, die in den Grenzregionen den Schienenverkehr nutzt.

Empfehlungen für Passagiere

Die „Ukrzaliznyzja“ rief die Passagiere erneut auf, während der Evakuierung die Anweisungen der Zugbesatzung strikt zu befolgen. Im Falle einer erkannten Bedrohung und fehlendem Schutz in der Nähe ist es erforderlich, sich mindestens 200 Meter vom Zug und von Objekten der Eisenbahninfrastruktur zu entfernen. Das Unternehmen betont, dass die Einhaltung dieser Regel während der Evakuierung Leben retten kann. Die Überwachung des Luftraums über den Schienenwegen wird rund um die Uhr von den Überwachungseinheiten des Unternehmens durchgeführt.