In den letzten zwei Wochen hat die russische Wirtschaft eine beispiellose Herausforderung im Bereich des E-Commerce erlebt. Die ukrainischen Streitkräfte (AFU) haben ihre Kampfdrohnen auf die Logistikinfrastruktur des größten russischen Marktplatzes Wildberries gerichtet. Die Angriffe wurden systematisch: In kurzer Zeit wurden Objekte in Kotowsk, Elektrostal, Krasnodar, Sankt Petersburg, Jekaterinburg und Dutzenden anderen Städten getroffen. Die Folgen dieser Operationen gehen weit über lokale Brände hinaus und verwandeln sich in eine massive Wirtschaftskrise für die Branche.

Umfang der Zerstörung und Kosten der Wiederherstellung

Daten der Analysedatenagentur Data Insight belegen einen enormen Schaden. Allein in wenigen Wochen führten die Kampfhandlungen zu Schäden an 17 % bis 22 % der gesamten Logistikinfrastruktur des Marktplatzes. Dies ist nicht nur Statistik: Es geht um Hunderttausende Tonnen Waren und für den Umsatz kritische Hubs.

Die Schätzung der Kosten für die Wiederherstellung der zerstörten Objekte liegt zwischen 6,25 und 8,08 Milliarden Rubel. Diese Zahlen spiegeln jedoch nur die direkten Verluste des operierenden Unternehmens wider. Eine noch dramatischere Situation hat sich für den kleinen und mittleren Unternehmen ergeben, die von der Funktionsfähigkeit des Marktplatzes abhängen.

Krise für Verkäufer und die Versicherungsfalle

Die größten Verluste erlitten gerade die Verkäufer, die mit Wildberries arbeiten. Laut Berechnungen der Analysten beliefen sich ihre kumulierten Verluste auf 21,5 bis 28 Milliarden Rubel. Der Geschäftsführer des Ökosystems von Dienstleistungen für Verkäufer, SellerDen, Denis Wetrennikow, geht davon aus, dass es sich um mehrere hunderttausend betroffene Unternehmer handelt, deren Waren bei den Angriffen verbrannt oder beschädigt wurden.

Versuche, einen finanziellen Schutz zu finden, waren vergeblich. Die Gründerin von RWB, Tatjana Kim, bestätigte, dass die Lagerhäuser zwar versichert sind, die Policen jedoch das Risiko von Drohnenangriffen nicht abdecken. Darüber hinaus haben vier große Versicherungsunternehmen offiziell bestätigt, dass sie Objekte von Wildberries überhaupt nicht versichern. Derzeit ist von Entschädigungen für den Großunternehmen, die den Großteil des Umsatzes generieren, keine Rede.

Reaktion des Staates und neue Vektoren

Vor dem Hintergrund des wachsenden Krisenszenarios hat der russische Vizepremierminister Alexander Nowak die zuständigen Ministerien und die Zentralbank angewiesen, bis zum 10. August Vorschläge zur Unterstützung der Geschädigten vorzulegen. Konkrete Maßnahmen wurden bisher nicht angekündigt, doch der Druck auf die Logistik zwingt die Unternehmen, nach Alternativen zu suchen.

Es wurde bekannt, dass der russische Marktplatz aktiv nach Logistikkapazitäten in Kasachstan sucht, um die Risiken zu diversifizieren. Inzwischen gehen die Angriffe weiter: In dieser Nacht griffen ukrainische Streitkräfte eines der größten Lagerhäuser von Wildberries in Russland an, und zuvor hatten Drohnen der AFU bereits Objekte in der Region Samara erreicht. Das Unternehmen Wildberries kann nicht verbergen, dass es enorme Verluste erlitten hat, die die Landschaft des russischen Handels radikal verändern könnten.