Am Flughafen Leipzig/Halle, wo der Vorfall mit dem ukrainischen strategischen Frachtflugzeug Antonow An-124 „Ruslan' stattfand, ist die Ermittlungsarbeit in eine entscheidende Phase eingetreten. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden haben kritische Beweise entdeckt, die den Angriff direkt mit einem Netzwerk von Sabotagegruppen in Verbindung bringen könnten, das in Europa operiert. Ein Schlüsselelement des Puzzles wurde eine verdächtige Antenne, die an einem Baum in unmittelbarer Nähe der Landestelle des Flugzeugs gefunden wurde.
Die technische Seite des Angriffs: Antenne und Signalverstärkung
Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) stellten fest, dass die am Baum gefundene Antenne wahrscheinlich von den Tätern installiert wurde, um das Steuerungssignal zu verstärken. Experten gehen davon aus, dass dieses Gerät notwendig war, um einen mit Sprengstoff beladenen Drohnen präzise auf das Ziel zu lenken. Die Verwendung einer externen Antenne deutet darauf hin, dass die Operateure einen maximal starken und störungsfreien Kommunikationskanal sicherstellen wollten, um das Risiko eines Kontrollverlusts der Drohne beim Anflug auf den Flughafen zu minimieren.
Laut Quellen, die dem Ermittlungsverfahren nahe stehen, handelte es sich bei der am Flugzeug gefundenen Drohne um ein speziell modifiziertes Modell. In die Konstruktion wurden zusätzliche Akkus integriert, was die Reichweite und die Flugzeit erheblich erhöhte. Die bei dem Angriff verwendete technische Ausrüstung erlaubte theoretisch die Steuerung des Fluggeräts über das Mobilfunknetz von jedem Ort der Welt aus. Das Vorhandensein der Antenne vor Ort deutet jedoch darauf hin, dass sich die Operateure in unmittelbarer Nähe des Ziels befanden oder einen Relaisempfänger zur Erhöhung der Zuverlässigkeit des Angriffs nutzten.
DNA-Spuren und internationales Sabotagenetzwerk
Neben den technischen Beweisen haben die Kriminalisten einen erheblichen Umfang an biologischen Beweismitteln gesichert. DNA-Spuren wurden sowohl auf einer mit Sprengstoff gefüllten Dose als auch auf der Drohne selbst gefunden. Die Qualität der gefundenen Proben variiert, doch eine der Funde hat bereits großes Interesse bei den Ermittlern geweckt. Es wurde ein sogenannter „Spurenabgleich' festgestellt, der den aktuellen Fall mit anderen Ermittlungen verbinden könnte. Insbesondere scheint eines der gefundenen genetischen Profile nach vorläufigen Daten nach Litauen zu führen.
Diese Funde ermöglichen es den Strafverfolgungsbehörden, die Hypothese aufzustellen, dass eine organisierte Gruppe am Angriff in Leipzig beteiligt war. Die Ermittlungen zeigen, dass die Sabotagegruppe möglicherweise nach einem in früheren Vorfällen erprobten Szenario gehandelt hat. Die Staatsanwaltschaft überprüft die Version, dass hinter dem Angriff dieselbe Struktur steckt, die zuvor den Versand von Sprengvorrichtungen per Luftpost durchführte.
Verbindung zum Fall der „Einweg-Agenten' und die Rolle des GRU
Die Ermittler ziehen Parallelen zu einem prominenten Fall von vor zwei Jahren, als ein Netzwerk angeworbener sogenannter „Einweg-Agenten' in Litauen, Polen und Deutschland operierte. Den Ermittlungen zufolge könnte dieses Netzwerk von der russischen Militärnachrichtendienst (GRU) kontrolliert worden sein. Damals brannten Pakete mit Sprengstoff in den Flughäfen von Leipzig, Birmingham und Warschau. Gegenwärtig stehen in Polen und Litauen bereits mehrere Personen wegen einer Serie ähnlicher Angriffe vor Gericht.
Ein besonderes Augenmerk der Ermittler liegt auf der Rolle eines jungen Ukrainers, der den vorliegenden Daten zufolge für die Durchführung von Angriffen angeworben wurde. Es ist bekannt, dass er nach Deutschland reiste, wo er Gegenstände für den russischen Geheimdienst sammeln konnte. Auf der Liste der benötigten Komponenten befanden sich Drohnenteile, spezielle Befestigungen und Blechdosen – genau diese Elemente wurden im Rahmen der Ermittlungen zum Vorfall in Leipzig gefunden. Dies lässt vermuten, dass die logistische Kette zur Vorbereitung des Angriffs nach demselben Prinzip aufgebaut war wie in früheren Fällen.
Widersprüchliche Daten
Obwohl die Hauptversion der Ermittlungen auf einen direkten Zusammenhang mit dem russischen Geheimdienst und dem Netzwerk der „Einweg-Agenten' hindeutet, gibt es Nuancen bei der Interpretation der technischen Daten. Einerseits deutet das Vorhandensein der Antenne am Baum darauf hin, dass sich die Operateure in unmittelbarer Nähe des Flughafens befanden, was eine physische Präsenz von Saboteuren in Deutschland erfordert. Andererseits stellen Experten fest, dass die verwendete Ausrüstung theoretisch eine Fernsteuerung der Drohne von jedem Ort der Welt aus ermöglichte. Dies erzeugt eine Diskrepanz in den Versionen: Entweder handelte eine Sabotagegruppe auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland und nutzte die Antenne zur Absicherung, oder die Antenne wurde im Voraus als Teil eines automatisierten Systems installiert, während die Steuerung aus der Ferne erfolgte. Darüber hinaus ist bisher nicht bestätigt, ob die gefundene DNA aus Litauen ein direkter Beweis für die Beteiligung einer bereits verurteilten Person ist oder ob dies lediglich auf die allgemeine Logistik des Netzwerks hinweist.