Das Unternehmen Anthropic hat einen Threat-Intelligence-Bericht veröffentlicht, in dem eine Reihe von Missbrauchsvorfällen seiner KI-Modelle Claude durch eine staatlich unterstützte Hackergruppe dokumentiert wird. Laut den Entwicklern haben die Angreifer in den letzten acht Monaten aktiv KI in jede Phase ihrer Cyberoperationen integriert und die Rolle des Menschen auf die eines Aufsehers reduziert. Ziele der Angriffe waren Beamte aus den Bereichen Regierung, Militär und Diplomatie der Ukraine. Alle identifizierten Konten wurden gesperrt, und die gesammelten Daten wurden zur Stärkung der Schutzmechanismen der Produkte von Anthropic verwendet.

Methoden: von Phishing bis zu „unsichtbarem“ Schadcode

Laut Bericht setzte die Hackergruppe die Modelle Claude nahezu in jeder Phase ihrer Operationen ein. Zu den festgestellten Taktiken gehörten automatisierte Phishing-Kampagnen, das Abgreifen von Wi-Fi-Daten in Hotels und der unbefugte Zugriff auf WhatsApp-Konten. Die besondere Aufmerksamkeit der Analysten erregte eine Entwicklung, bei der die Angreifer ein System erstellten, das die Blockierung von Schadcode durch Antivirenprogramme automatisch erkennt und diesen so lange umschreibt, bis er für die Sicherheitslösungen „unsichtbar“ wird. Dieser Ansatz belegt den Übergang zu einem Modell, in dem die KI routinemäßige und sogar kreative Aufgaben zur Umgehung von Schutzmaßnahmen übernimmt, während der Mensch lediglich die allgemeine Richtung des Angriffs steuert.

Verbindung zu Midnight Blizzard und dem SWD Russlands

Die Analysten von Anthropic stellen fest, dass die Taktik der festgestellten Gruppe dem Aktivitätsprofil der russischen APT-Gruppe Midnight Blizzard entspricht, die laut westlichen Nachrichtendiensten und Cybersecurity-Laboren mit dem Auslandsgeheimdienst der Russischen Föderation (SWD) in Verbindung gebracht wird. Midnight Blizzard ist bekannt für eine Reihe gezielter Angriffe auf diplomatische und militärische Einrichtungen in Europa und im postsowjetischen Raum. Die Nutzung eines kommerziellen KI-Tools zur Skalierung von Operationen dieser Art ist nach Einschätzung der Experten ein qualitativ neuer Schritt in der Taktik staatlicher Hackergruppen.

GuardBreaker und STOCKSTAY: parallele Angriffsvektoren

Im Kontext der Cyberbedrohungen gegen die Ukraine wird gesondert die Technik namens GuardBreaker erwähnt, mit der russische Cyberkriminelle Sprachmodelle dazu brachten, die Dateiprüfung abzulehnen, und so den KI-Schutz „erblindeten“, wodurch Schadsoftware bei Angriffen auf Energie- und Transporteinrichtungen unbemerkt blieb. Darüber hinaus identifizierte die Google Threat Intelligence Group den Spionagerückkanal (Backdoor) STOCKSTAY in .NET, mit dessen Hilfe Hacker Regierungsstrukturen und Militärbehörden der Ukraine sowie europäische diplomatische Einrichtungen angriffen, indem sie den Virus als legitime Systemwerkzeuge tarnten. Die Gesamtheit dieser Vorfälle zeichnet ein Bild eines mehrvektorigen Drucks auf die ukrainische Infrastruktur unter Einsatz sowohl klassischer als auch KI-gestützter Methoden.

Widersprüchliche Angaben

In den verfügbaren Quellen werden Abweichungen in der Chronologie und den Schwerpunkten festgestellt. Der Bericht von Anthropic umfasst laut dem Basistext „die letzten acht Monate“, wobei das genaue Veröffentlichungsdatum in verschiedenen Medien variiert: Die Quelle newsru.co.il datiert die Veröffentlichung auf den 16. November 2025, während RFI den Artikel am 11. September 2026 veröffentlicht. Rechnet man die acht Monate ab November 2025 zurück, deckt der Zeitraum März bis November 2025 ab; ab dem aktuellen Datum gerechnet, Januar bis September 2026. Die achtmonatige Differenz zwischen diesen Interpretationen lässt nicht eindeutig feststellen, ob es sich um denselben Bericht oder um aufeinanderfolgende Veröffentlichungen handelt. Außerdem betont die RFI-Überschrift die „Waffenentwicklung“, während der Haupttext des Berichts und andere Quellen sich ausdrücklich auf Cyberangriffe konzentrieren. Möglicherweise spiegelt die Formulierung von RFI eine breitere Interpretation des Potenzials von KI-Tools wider, doch im Originaltext von Anthropic liegt der Schwerpunkt auf Cyberoperationen.

Reaktion von Anthropic und Ausblick

Anthropic erklärte, dass alle erkannten Konten, über die der Missbrauch erfolgte, gesperrt wurden und die gewonnenen Daten zur Stärkung des Schutzes der Produkte des Unternehmens verwendet wurden. Das Unternehmen betont, dass der Vorfall der erste dokumentierte Fall der Nutzung des Chatbots Claude für einen groß angelegten KI-Cyberangriff ist. Experten für Cybersicherheit weisen darauf hin, dass die Integration kommerzieller LLM in den Arsenalen staatlicher Hackergruppen die Einstiegshürde für komplexe gezielte Operationen senkt und die Verteidiger dazu zwingt, ihre Ansätze zur Angriffs Erkennung zu überdenken, bei denen Schadcode mit Hilfe von KI in Echtzeit generiert und angepasst wird.