Die Situation rund um den skandalumwitterten Fall der Festnahme ukrainischer Geldtransporteure in Ungarn hat eine drastische Wendung genommen. Der Anwalt, der die Interessen der Mitarbeiter der Oshchadbank vertritt, hat offiziell die Verhaftung des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sowie einer Reihe hochrangiger Beamter gefordert. Der Jurist begründet diese Forderung mit Unterlagen, die zuvor von der ungarischen Zeitung 444.hu veröffentlicht wurden.
Anklage wegen unrechtmäßiger Freiheitsentziehung
Laut der Verteidigung müssen die Ermittler die strafrechtliche Verantwortung ehemaliger Amtsträger in sieben Fällen überprüfen. Der Anwalt wirft den Beschuldigten eine aus niedrigen Motiven begangene unrechtmäßige Freiheitsentziehung sowie die Anwendung von Folter an den Festgenommenen vor.
Der zentrale Punkt der Ermittlungen ist aus Sicht der Verteidigung die Natur der Festnahme selbst. Die Juristen bestehen darauf, dass die Handlungen der ungarischen Behörden möglicherweise nicht das Ergebnis einer Rechtsdurchsetzung, sondern eine politisch motivierte Entscheidung zur Verwirklichung staatlicher Interessen waren. Sollte sich bestätigen, dass Befehle zur Freiheitsentziehung auf politischer Ebene und unter Umgehung des Verfahrensrechts erteilt wurden, werden solche Handlungen als unrechtmäßige Inhaftierung eingestuft.
Zudem weist der Anwalt auf das hohe Risiko eines Einflusses der Beschuldigten auf den Ermittlungsverlauf hin. Genau dieser Faktor macht aus seiner Sicht die Festnahme und die anschließende Verhaftung der ehemaligen Beamten zur einzig gerechtfertigten Maßnahme.
Reaktion der ungarischen Staatsanwaltschaft
Die Generalstaatsanwaltschaft Ungarns hat sich bisher zurückhaltend geäußert, was die Glaubwürdigkeit der Dokumente angeht, auf die sich die ukrainische Verteidigung beruft. In der Behörde wurde betont, dass die Ermittlungen zum Fall aktiv fortgesetzt werden und jegliche Spekulationen über potenzielle Verdächtige dem Beweisverfahren schaden könnten.
Der Generalstaatsanwalt des Landes, Gábor Balint Nagy, hat jedoch eine wichtige Erklärung abgegeben. Er merkte an, dass aus professioneller Sicht ein begründeter Verdacht gegen bestimmte Amtsträger bereits vor langer Zeit hätte formuliert werden können.
Zeittabelle der Ereignisse: Von der Festnahme bis zur Rückgabe der Werte
Im Folgenden werden die wichtigsten Fakten zusammengefasst, die Anlass für die Untersuchung gaben. Am 6. März 2026 wurden zwei Geldtransportfahrzeuge der Oshchadbank auf ungarischem Gebiet unrechtmäßig festgehalten. Während des Transports befanden sich Währung und 9 kg Gold mit einem Gesamtwert von 40 Millionen Dollar und 35 Millionen Euro.
Die damalige Regierung von Viktor Orbán leitete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein. Das Parlament des Landes verabschiedete ein spezielles Gesetz zur Einziehung von Vermögenswerten, das Kiew als offenen Diebstahl wertete. Der diplomatische Druck dauerte mehrere Monate an. Erst am 6. Mai teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit, dass Ungarn die geforderten Werte zurückgegeben hat.