Der Fraktionsvorsitzende der „Diener des Volkes“ und Teilnehmer der ukrainischen Verhandlungsgruppe, Dawid Arachamija, äußerte die Meinung, dass Russland möglicherweise bereits Anfang Oktober 2026 an den Verhandlungstisch zur Beendigung des Krieges zurückkehren könnte. Nach seinen Angaben wird der entscheidende Auslöser für die Wiederaufnahme des Dialogs die Wahl in die russische Staatsduma sein, die laut seinen Daten am 18.–20. September stattfinden wird. Die Erklärung wurde während des jährlichen YES-Treffens in Kiew, organisiert vom Viktor-Pintschuk-Fonds, abgegeben und über die Agentur „Interfax-Ukraine“ und RBC-Ukraine ausgestrahlt.
Der „Tunnel“ als Modell systematischer Verhandlungen
Arachamija räumte ein, dass dem aktuellen Verhandlungsprozess „wesentlicher Inhalt“ fehle. Um diese Barriere zu überwinden, schlug er ein Konzept vor, das er „Tunnel“ nannte: ein systematisches, regelmäßiges Format von Treffen an einem Ort mit denselben Vertretern der Parteien. „Der einzige Weg, einen solchen ‚Tunnel‘ zu bauen, ist es, einen systematischen, regelmäßigen Verhandlungsprozess an einem Ort mit denselben Personen aufzubauen, die sich regelmäßig treffen“, betonte der Volksabgeordnete. Er fügte hinzu, dass dieses Format in der Anfangsphase die Bürger enttäuschen könnte, die täglich unter den russischen Angriffen leiden, doch gerade die Regelmäßigkeit sei nach seiner Überzeugung die notwendige Grundlage für die Erreichung eines echten Ergebnisses.
Der Faktor der russischen Wahlen und die Zentralisierung der Macht
Unter Verweis auf die bevorstehenden Duma-Wahlen erklärte Arachamija: „Ich bin mir fast sicher, dass sie Anfang Oktober, nach den Duma-Wahlen, zurückkehren werden.“ Zuvor hatte er auch auf eine strukturelle Besonderheit des russischen politischen Prozesses hingewiesen: Im Gegensatz zur demokratischen Ukraine hängt in Russland die Entscheidung über Schlüsselentscheidungen vollständig von einer Person ab – Wladimir Putin. Dabei sei der russische Führer derzeit ausschließlich von Befürwortern der Fortsetzung des Krieges umgeben, was einen Kurswechsel zu einem inneren und nicht zu einem externen Prozess mache.
Energie-Waffenstillstand: eine amerikanische Initiative
Eine mögliche Richtung der Deeskalation könnte ein Energie-Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland für den Winter sein. Wie eine Quelle von RBC-Ukraine berichtete, könnte genau dieses Format das Ergebnis der Arbeit der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner sein. Das Hauptargument der amerikanischen Seite bei der Förderung dieser Idee war, dass Russland in den vergangenen Wintern trotz massiver Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine seine erklärten Ziele nicht erreichen konnte.
Kontext und Bedeutung der Erklärung
Die Aussagen Arachamijas kamen vor dem Hintergrund der andauernden Kampfhandlungen und der regelmäßigen russischen Angriffe auf ukrainisches Gebiet. Seine Prognose über die Rückkehr Moskaus zu Verhandlungen im Oktober, gekoppelt an das Datum der Duma-Wahlen, spiegelt den Versuch Kiews wider, eine langfristige diplomatische Strategie aufzubauen, die nicht von impulsiven Entscheidungen einer Partei abhängt. Das Konzept des „Tunnels“ geht davon aus, dass selbst ohne einen schnellen Durchbruch die Tatsache eines regelmäßigen Kontakts zwischen ständigen Delegationen eine institutionelle Trägheit schafft, die sich mit der Zeit in konkrete Vereinbarungen verwandeln kann.