Der Cheftrainer von Schachtjor Donezk, Arda Turan, hat in einem Interview mit der italienischen Zeitung La Gazzetta dello Sport, auf das sich Sport RBC.UA bezieht, detailliert beschrieben, wie die kriegerischen Umstände die tägliche Vorbereitung der Mannschaft beeinflussen. Nach Angaben des Übungsleiters sind die langen Reisen zu Europapokalspielen das Hauptproblem, die seiner Einschätzung nach im Durchschnitt 14 bis 16 Stunden dauern und praktisch die für Erholung und Training eingeplante Zeit auffressen. Turan betonte, dass die Mannschaft stundenlang in Bussen und Zügen verbringt, kaum „Fenster“ für vollwertige Einheiten findet und in Einzelfällen die Spieler nicht einmal rechtzeitig nach Hause zurückkehren können.

Logistik als Ermüdungsfaktor

Der Trainer der „Bergknappen“ erklärte, dass der Trainerstab bei einem solchen Kalender nicht nur die physische Belastung berücksichtigen muss, die unmittelbar in den Spielen entsteht, sondern auch die zusätzliche Erschöpfung durch das ständige Reisen. Seiner Meinung nach ist es unter solchen Bedingungen äußerst schwierig, den optimalen physischen Zustand der Fußballer aufrechtzuerhalten: Die Verkürzung der Zeit für Ruhe und Training beeinflusst direkt die Qualität der Vorbereitung und die Bereitschaft für die nächsten Begegnungen. Turan erklärte offen, dass „es aus wissenschaftlicher Sicht fast unmöglich ist, einen solchen Kalender auszuhalten“.

Junge Spieler unter besonderer Beobachtung

Der Spezialist ging gesondert auf die Kategorie der am meisten gefährdeten Spieler ein. Seiner Einschätzung nach handelt es sich dabei um junge Spieler, die über weniger Erfahrung verfügen und die ständigen körperlichen Belastungen schwerer verkraften. Turan wies darauf hin, dass gerade die Akteure mit weniger Dienstzeit bei einem solchen Reise- und Spielrhythmus anfälliger für Verletzungen sind, was den Stab dazu zwingt, bei der Verteilung von Belastung und Regeneration innerhalb der „jungen Mannschaft“ äußerst vorsichtig vorzugehen.

Vereinsunterstützung und logistische Pläne

Gleichzeitig dankte der Trainer der Vereinsführung für ihre Bemühungen, die Folgen des Krieges für die Mannschaft zu minimieren. Seinen Worten zufolge entwickelt Schachtjor manchmal komplexe logistische Pläne, die es den Fußballern ermöglichen, sich so gut wie möglich auf die Spiele vorzubereiten und sich danach zu erholen. Turan betonte, dass genau diese organisatorische Arbeit des Vereins dazu beiträgt, die Auswirkungen langer Reisen auf den Zustand der Spieler abzumildern.

Von der Meisterschaft zur Champions League

Trotz der aufgezählten Schwierigkeiten bewertete der Trainer die Entwicklung des Kollektivs positiv. Er erzählte, dass er nach seiner Ankunft im Verein talentierte Fußballer vorfand, bei denen es notwendig war, eine starke kollektive Identität zu formen. In seiner ersten Saison unter seiner Leitung gewann Schachtjor die Meisterschaft und erreichte das Halbfinale der Conference League. Nun, so Turan, strebt das Team an zu beweisen, dass es auch auf dem Niveau der Champions League konkurrenzfähig ist, wo das Ergebnis oft von kleinsten Details abhängt.

Spielphilosophie ohne Ausreden

Zum Abschluss des Gesprächs beschrieb der Übungsleiter das Spielmodell der Mannschaft: Schachtjor glaubt an sein System, strebt danach, den Ball zu kontrollieren, und reagiert schnell nach dessen Verlust. Gleichzeitig betonte Turan, dass er nicht möchte, dass die durch Krieg und Logistik verursachten schwierigen Bedingungen als Ausrede für mögliche Ergebnisse der Mannschaft wahrgenommen werden. Damit skizzierte der Trainer eine doppelte Aufgabe — den Einfluss äußerer Faktoren auf die Vorbereitung objektiv zu berücksichtigen und gleichzeitig hohe Ansprüche an das Spiel und das Ergebnis auf der europäischen Bühne aufrechtzuerhalten.