Russische Rekrutenwerber im besetzten Donezk wenden laut der Partisanenbewegung „ATESH“ ein neues Schema an, um Männer für die russische Armee zu werben. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Organisation berichtet, werden potenzielle Vertragskämpfer in Bars und auf der Straße aufgespürt und anschließend in stark betrunkenem Zustand in Wehrdienstzentren gebracht, wo sie unter Druck gesetzt werden, um sie zur Unterschrift eines Vertrags mit der russischen Armee zu bewegen.

Das Rekrutierungsschema: von Bars zu Wehrdienstzentren

Wie dem Bericht zufolge ein Agent der Partisanenbewegung berichtete, der laut Organisation im Stab der „Dnepr“-Truppengruppe tätig ist, besteht das zentrale Element des Schemas in der Nutzung von Menschen in starkem Alkoholausch: Sie werden in Wehrdienstzentren gebracht, wo unter Druck versucht wird, einen Vertrag mit den russischen Streitkräften abzuschließen. Die Bewegung behauptet, dass die ersten solchen „Freiwilligen“ bereits in russischen Einheiten aufgeführt sind, die gegen die Ukraine kämpfen.

Wohin die „Freiwilligen“ gelangen

Laut „ATESH“ wurden neue Soldaten, die nach diesem Schema rekrutiert wurden, bereits im 328. Garde-Luftlandesturmregiment in Richtung Saporischschja und im 77. unabhängigen motorisierten Schützenregiment in der Oblast Donezk festgestellt. Die Partisanen behaupten, dass diese Soldaten zur Auffüllung der Verluste in Einheiten eingesetzt werden, die das russische Kommando weiterhin zu Stoßaktionen an der Front einsetzt.

Anzeichen für die Vorbereitung einer großen Mobilmachung

Neben dem konkreten Rekrutierungsschema behauptet die Bewegung, dass immer mehr Hinweise auf die Vorbereitung einer großangelegten Mobilmachung durch die russischen Behörden bereits im September hindeuten. Nach Schätzung von „ATESH“ könnte es sich um die Einberufung von bis zu 600.000 Personen handeln. Die Partisanen wandten sich zudem an Mitarbeiter russischer Wehrdienstzentren und lokaler Verwaltungen mit dem Appell, ihnen Informationen über vorbereitende Mobilmachungsmaßnahmen zu übermitteln.

Größerer Rahmen: verdeckte Mobilmachung und Abwanderung aus Russland

Diese Aussagen fügen sich in den größeren Kontext der verstärkten sogenannten verdeckten Mobilmachung in Russland ein. Laut Angaben derselben Zeitung wurden wehrpflichtige Männer begonnen, „zufällig“ von internationalen Flügen abgemeldet zu werden. Vor dem Hintergrund der Befürchtung, dass im Herbst eine volle Mobilmachung ausgerufen wird, sind in den letzten Tagen nach vorliegenden Informationen etwa 40.000 Menschen aus Russland nach Georgien gereist; an der Grenzübergangsstelle Oberer Lars wird ein massiver Zustrom russischer Männer beobachtet.

Widersprüchliche Daten

Wichtig ist zu betonen, dass die zentralen Behauptungen über das Rekrutierungsschema betrunkener Männer und die Vorbereitung einer Mobilmachung von 600.000 Personen von einer einzigen Quelle – der Partisanenbewegung „ATESH“ – stammen und nicht durch unabhängige oder offizielle Daten bestätigt sind. Die russischen Behörden erkennen solche Praktiken nicht an, und die Zahl von 600.000 Personen ist eine Schätzung der Bewegung selbst und kein dokumentierter Plan. Ähnlich stützen sich die Angaben über die Abmeldung von Flügen und die Abwanderung von etwa 40.000 Personen nach Georgien auf Veröffentlichungen der Zeitung und sind nicht durch unabhängige Quellen verifiziert. Daher sind die unten dargelegten Fakten als Aussagen einer der Konfliktparteien zu betrachten, die einer zusätzlichen Überprüfung bedürfen.