Statement des pensionierten Konteradmirals
Der ehemalige Konteradmiral der US-Marine Tim Galodet hat die Behauptung aufgestellt, dass im Atlantik Unterwasserstrukturen entdeckt wurden, die nach seinen Angaben Platos Beschreibung der legendären Atlantis entsprechen könnten. Seiner Auffassung nach liefern moderne 3D-Modelle des Meeresbodens Gründe, die Realität des Objekts zu überprüfen, anstatt die Legende traditionell als philosophische Fabel zu betrachten. Zur Bestätigung oder Widerlegung der Hypothese plant ein Team von Spezialisten eine Tiefsee-Expedition mit ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen.
Von der philosophischen Fabel zu den Bathymetrie-Karten
Die Legende von einer reichen Inselzivilisation, die nach Überlieferung an einem Tag durch Erdbeben und Überschwemmungen unterging, ist in Platons Dialogen „Timaios' und „Kritias' ausgestellt, die um 360 v. Chr. entstanden. Die überwiegende Mehrheit der modernen Historiker interpretiert diese Erzählung als philosophische Allegorie und nicht als historische Quelle. Dennoch ist der Initiator des Projekts – ein Notarzt, der seit mehr als zehn Jahren geologische und archäologische Daten gesammelt und die Originaltexte Platons studiert hat – überzeugt, dass der Vergleich der antiken Beschreibungen mit den Bathymetrie-Karten bemerkenswerte Übereinstimmungen in den Abmessungen der Kanäle und Ringstrukturen gezeigt hat, die seiner Meinung nach der Beschreibung der Hauptstadt von Atlantis entsprechen.
So werden „künstliche' Spuren auf dem Meeresboden gesucht
Zur Datenanalyse wurde der Physiker Max Derakhshani hinzugezogen, der Algorithmen zur Analyse des dreidimensionalen Reliefs anwandte, um natürliche geologische Formationen von potenziell künstlichen Bauwerken zu unterscheiden. Die genauen Koordinaten des untersuchten Gebiets werden im Rahmen einer Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) geheim gehalten. Zur technologischen Überprüfung des künstlichen Ursprungs der Objekte sind Tiefsee-Fernsteuerfahrzeuge vorgesehen. Das Projekt hat auch die Aufmerksamkeit des Tiefsee-Forschers Victor Vessikov auf sich gezogen, der Berichten zufolge bereit erklärte, sich der Expedition anzuschließen.
Azorenplateau: der wichtigste hypothetische Standort
Unter den hypothetischen Standorten wird das Azorenplateau diskutiert – ein vulkanischer Unterwasserberg im Nordatlantik, der an der Schnittstelle dreier tektonischer Platten liegt. Befürworter dieser Version betrachten die Azoren als Gipfel eines einst versunkenen Kontinents. Genau in dieser Region könnten ihrer Vermutung nach geometrische Parameter erhalten geblieben sein, die mit den antiken Beschreibungen der Ringkanäle und konzentrischen Zonen der Hauptstadt von Atlantis vergleichbar sind.
Widersprüchliche Daten
Die Bewertung der Fundstelle weicht zwischen ihren Befürwortern und der wissenschaftlichen Gemeinschaft stark voneinander ab. Einerseits behaupten Galodet und sein Team, dass die 3D-Modelle des Meeresbodens ausreichende Gründe für die Überprüfung der Realität des Objekts liefern und dass die topografischen Parameter mit Platos Beschreibungen übereinstimmen. Andererseits weist die wissenschaftliche Gemeinschaft darauf hin, dass in den letzten 11.000 Jahren in diesem Gebiet keine geologischen Belege für ein plötzliches Untertauchen von Land vorhanden sind, und die traditionelle Geschichtswissenschaft betrachtet die Erzählung Platons weiterhin als Allegorie. Außerdem enthält das Primärmaterial eine Unstimmigkeit in den Rollen: Das Statement wird einem pensionierten Konteradmiral zugeschrieben, während als Initiator des Projekts ein Notarzt genannt wird; die Quelle klärt nicht, ob es sich um eine Person oder um verschiedene Teilnehmer handelt. Auch in den Veröffentlichungen findet sich eine unterschiedliche Schreibweise des Nachnamens (Galodet / Galodet), was zusätzlich auf die Notwendigkeit einer vorsichtigen Zuschreibung hinweist.
Was als Nächstes kommt: Expedition und Probe
Nach Angaben der Projektbeteiligten können endgültige Antworten nur nach dem eigentlichen Tauchgang in die Tiefe und der Entnahme von Boden- und Sedimentproben gewonnen werden. Bis zu dieser Arbeit bleiben alle Aussagen über den „Fund von Atlantis' eine Hypothese und kein bestätigter Fakt. Die bevorstehende Tiefsee-Expedition wird somit zum entscheidenden Schritt: Erst die Daten der ferngesteuerten Fahrzeuge und das physische Probenmaterial werden es ermöglichen, entweder die Argumente der Befürworter zu stärken oder die Hypothese endgültig zugunsten der allgemein anerkannten allegorischen Interpretation des Textes Platons abzulehnen.