Das Video, das im März 2022 Ramzan Kadyrow „an der Front“ bei Kiew zeigte, erwies sich als Inszenierung. Die Dreharbeiten fanden nicht in der Ukraine statt, sondern im Keller eines geheimen Gefängnisses des tschetschenischen Spezialkommandos „Achmat“ in Grosny.

Wie die Illusion einer Anwesenheit bei Kiew geschaffen wurde

Der tschetschenische Fernsehsender „Grosny“ veröffentlichte am 13. März 2022 den Clip. Im Bild saß Kadyrow in Tarnanzug in einem Kellerraum, an dessen Wand zuvor die tschetschenische Flagge mit dem Porträt seines Vaters aufgehängt worden war. Propagandisten behaupteten: Der Chef von Tschetschenien sei persönlich in den Kampfzone angekommen und befinde sich nur 7 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt entfernt.

Journalisten der „Nowaja Gaseta Europa“ ermittelten jedoch: Die gesamte „Sitzung“ war eine Inszenierung des PR-Teams. Die Dreharbeiten fanden am 12. März in einem der Räume des geheimen Gefängnisses des Spezialkommandos für schnelle Eingreiftruppen „Achmat“ in Grosny statt.

Wer kam ins Bild

Laut Quellen der Publikation wurden einige Teilnehmer des Videos direkt aus den benachbarten Zellen desselben Kellers zur „Sitzung“ gebracht. Unter den Statisten identifizierten Journalisten den Kommandeur des Bataillons „Süd“ Chusein Meschidow und den Kommandeur des Regiments „Wind“ Magomed Tuschajew.

Im Bild hörte Kadyrow einen Bericht darüber, wie seine Untergebenen den Befehl „erfolgreich ausgeführt“ und ein Waisenhaus in der Ukraine „stürmisch erobert“ hätten – das zu diesem Zeitpunkt völlig leer war.

Kontext: GRU-Operation in Richtung Sumy

Zur Erinnerung: Im Zeitraum Februar bis April 2026 führte das Hauptnachrichtendienstamt eine Spezialoperation durch, die darauf abzielte, Söldner der „Achmat“-Einheit der russischen Nationalgarde in Richtung Sumy zu liquidieren.

Als Ergebnis der Operation erlitt die feindliche Einheit die schwersten Verluste seit Beginn der Invasion im großen Stil. Nach vorliegenden Daten wurden 41 Kämpfer getötet, weitere 87 verletzt. Darüber hinaus gelten mehr als hundert Kadyrow-Söldner als vermisst.

Die Ermittlungen von RBC-Ukraine und „Nowaja Gaseta Europa“ zeigen, wie propagandistische Materialien weit entfernt von realen Ereignissen erstellt werden können – und wie wichtig es ist, Quellen zu überprüfen, insbesondere wenn es um militärische Aktionen geht.