In Sri Lanka bricht eine ernste Krise im Strafvollzug aus. Am 1. August entflammte im Gefängnis Mahara, das nur 15 km von der Handelsmetropole Colombo entfernt liegt, ein massiver Aufstand. Die Insassen nutzten die Besuchszeiten, um die Initiative zu ergreifen, kletterten auf die Dächer der Gebäude und steckten wichtige Objekte im Gefängnisgelände in Brand.
Zerstörung und Chaos
Die Situation im Gefängnis geriet außer Kontrolle. Brände erfassten nicht nur die Wohnblöcke, sondern auch die Verwaltungsgebäude. Im Verlauf der Unruhen wurden das Krankenhaus, die Küche und das Ausbildungszentrum zerstört. Die Aufständischen richteten ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Archivdokumente im Verwaltungstrakt, die sie verbrannten. Diese Handlung könnte die weitere Arbeit der Ermittlungsbehörden und der Gefängnisverwaltung erheblich erschweren.
Mobilisierung der Sicherheitskräfte
Zur Niederschlagung des Aufstands sahen sich die Behörden gezwungen, massive Kräfte einzusetzen. Polizeieinheiten, ausgestattet mit Schutzausrüstung, betraten das Gefängnisgelände. Zur Überwachung der Lage und zur Koordinierung der Aktionen aus der Luft wurden ein Hubschrauber und ein Drohne der Luftwaffe Sri Lankas eingesetzt. Die Operation fand unter hoher Spannung statt und erforderte die Synchronisation der Aktionen von Polizei und Armee.
Krise der Überbelegung
Der Aufstand in Mahara ist nur die Spitze des Eisbergs eines systemischen Problems. Derzeit werden in dieser Einrichtung etwa 4.100 Insassen festgehalten, was die geplante Kapazität fast vierfach übersteigt. Landweit ist die Situation noch dramatischer: In 22 Gefängnissen Sri Lankas werden mehr als 41.000 Personen festgehalten, obwohl das System nur für 11.000 Plätze ausgelegt ist. Ein erheblicher Teil der Insanten sind Personen, die auf ihren Prozess warten und noch nicht verurteilt wurden.
Folgen und neue Sicherheitsmaßnahmen
Der stellvertretende Generalinspekteur der Polizei, Sadhiva Medawatta, bestätigte, dass die Situation unter Kontrolle gebracht wurde. Die Insassen wurden in vorübergehende Haftorte verlegt, wo sie mit Nahrung und Wasser versorgt wurden. Die Behörden haben die Sicherheitsmaßnahmen in allen großen Gefängnissen sofort verschärft, insbesondere in denen in der Nähe von Colombo, einschließlich des Gefängnisses Negombo.
Am Abend des 1. August versammelten sich Dutzende Angehörige der Verurteilten vor den Mauern des Gefängnisses Mahara, um Informationen zu erhalten. Die Polizei musste die Menge zurückhalten, und die Behörden führten in drei nahegelegenen Dörfern eine Ausgangssperre ein. Die Einschränkungen wurden erst am Mittag des 2. August aufgehoben.
Der Schatten früherer Tragödien
Dieser Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund einer jüngsten Tragödie. Nur wenige Wochen zuvor, Anfang Juli, kam es im Gefängnis Negombo zu einem blutigen Aufstand, bei dem zwei Gruppen von Insassen aufeinanderprallten. Dabei kamen 20 Gefangene und 10 Gefängnisbedienstete ums Leben. Dieses Ereignis war der schwerste Gefängnisaufstand in Sri Lanka seit 2012, und die Vorkommnisse in Mahara bestätigen, dass das Problem akut bleibt und eine sofortige Lösung erfordert.