Für Millionen von Ukrainern, die jahrelang im Ausland gearbeitet haben, eröffnet sich ein neuer Weg zur sozialen Absicherung. Das Kabinett der Minister hat die Verordnung Nr. 562 vom 16. Mai 2025 genehmigt, die es ermöglicht, Arbeitsjahre in anderen Ländern offiziell auf das Rentenzugangsjahr in der Ukraine anzurechnen. Diese Entscheidung verändert die Situation für diejenigen, die zuvor aufgrund fehlender ausreichender Dienstjahre im nationalen System nicht in den Ruhestand treten konnten, grundlegend.

Wie das neue System zur Erfassung der Berufserfahrung funktioniert

Bisher stellte das Fehlen bilateraler Abkommen zwischen den Staaten ein unüberwindbares Hindernis dar: Beiträge, die im Ausland gezahlt wurden, „verschwanden' einfach bei der Berechnung der Rentenansprüche in der Ukraine. Die Situation begann sich im Juni 2024 zu ändern, als Änderungen in das Gesetz „Über die allgemeine staatliche Rentenversicherung' eingefügt wurden (Artikel 24-1 und 26-1). Diese ermöglichten es, Zeiträume der Auslandsarbeit auch ohne ein internationales Abkommen zu berücksichtigen.

Es ist wichtig, den entscheidenden Unterschied zu verstehen: Angerechnete Auslandsjahre beeinflussen das Recht auf eine Rente, nicht deren Höhe. Diese Zeiträume helfen, das erforderliche Minimum an Jahren für den Ruhestand mit 60 Jahren zu erreichen.

Wenn ein Bürger beispielsweise 25 Jahre Berufserfahrung in der Ukraine und bestätigte 7 Jahre Arbeit im Ausland hat, beträgt seine gesamte Berufserfahrung 32 Jahre. Dies gibt das Recht auf Rentenbezug. Der Betrag der Zahlung wird jedoch ausschließlich auf der Grundlage der in das ukrainische System eingezahlten Beiträge berechnet, es sei denn, mit dem jeweiligen Land besteht ein spezielles internationales Abkommen.

Wer keine angerechnete Berufserfahrung erhält

Die neuen Regeln haben klare Ausnahmen. Dienstzeiten in den Sicherheitsstrukturen des Aggressorstaates sowie Arbeit in illegalen Regierungsorganen auf besetzten Gebieten nach dem 19. Februar 2014 werden nicht auf die Berufserfahrung angerechnet.

Anleitung: Wie man die Auslandsberufserfahrung bestätigt

Der bloße Fakt der Arbeit reicht nicht aus – er muss dokumentarisch bestätigt werden. Der Prozess beginnt mit der Ausstellung eines offiziellen Dokuments im Beschäftigungsland. Dies kann eine Auszug aus dem Register, eine Bescheinigung oder eine Bestätigung der Zahlung von Versicherungsbeiträgen sein. Die Form des Dokuments hängt von der Gesetzgebung des jeweiligen Landes ab: In Deutschland stellt die Deutsche Rentenversicherung ein solches Dokument aus, in Italien das Nationale Institut für soziale Sicherheit (INPS).

Wenn sich der Antragsteller in der Ukraine befindet und nicht persönlich im Ausland beantragen kann, kann er einen Antrag bei der territorialen Stelle des Rentenfonds einreichen. Diese wird die Anfrage über das Außenministerium weiterleiten, jedoch dauert dieser Prozess deutlich länger.

Experten des Ministeriums für Sozialpolitik empfehlen, die Sammlung von Dokumenten sechs Monate vor Erreichen des Rentenalters zu beginnen. In einigen Fällen, insbesondere wenn es sich um Zeiträume vor der Einführung elektronischer Register handelt, verfügt die ausländische Rentenbehörde möglicherweise nicht über vollständige Informationen. Dann können zusätzliche Archivbescheinigungen erforderlich sein.

Legalisation und Übersetzung von Dokumenten

Nicht alle Bescheinigungen können sofort beim Rentenfonds der Ukraine eingereicht werden – einige erfordern eine zusätzliche Beglaubigung.

  • Ohne Apostille: Dokumente werden ohne Legalisation akzeptiert, wenn zwischen der Ukraine und dem Staat ein Abkommen über rechtliche Hilfe besteht. Zu dieser Liste gehören Polen, Tschechien, Litauen, Estland, Bulgarien, Moldau, Rumänien, Serbien, Montenegro und Nordmazedonien.
  • Apostille: Für Länder, die der Haager Übereinkunft von 1961 angehören, reicht in der Regel die Apostille.
  • Konsularische Legalisation: In allen anderen Fällen muss das Dokument das Verfahren der konsularischen Legalisation durchlaufen.
  • Besonderheiten der GUS: Für die GUS-Staaten gilt ein separates Legalisierungsverfahren, das während des Kriegszustands und sechs Monate nach dessen Beendigung gilt.

Alle Dokumente in Fremdsprachen müssen in die ukrainische Sprache übersetzt und die Übersetzung notariell beglaubigt werden. Erst danach wird der vollständige Satz beim Rentenfonds zur Prüfung eingereicht.

Kontext der Rentenreform

Diese Änderungen passen sich in die allgemeine Linie der Vereinfachung von Verfahren ein. Zuvor war die Frage der Bestätigung der Berufserfahrung ohne Arbeitsbuch schwieriger zu lösen: Der Rentenfonds akzeptierte keine notariell beglaubigten Zeugenaussagen, und die Berufserfahrung konnte nur vor Gericht oder über Archive nachgewiesen werden.

Ab dem 2. August 2026 treten in der Ukraine neue Regeln für die Rentenfestsetzung in Kraft, die die Sammlung von Dokumenten noch weiter vereinfachen und es ermöglichen werden, einzelne Arbeitszeiträume auch ohne Zahlung von Beiträgen durch den Arbeitgeber auf die Berufserfahrung anzurechnen. Parallel dazu können Bürger auf Alterszuschläge, Zuschläge für übermäßige Berufserfahrung und staatliche Garantien für die Mindestrente zählen.