Viele Ausländer haben das postsowjetische Raum jahrzehntelang als eine Einheit wahrgenommen – als „Trümmer Russlands'. Der umfassende Krieg hat die Welt jedoch dazu gebracht zu erkennen, dass es sich um völlig unterschiedliche Länder mit einzigartigen Kulturen und Mentalitäten handelt. Der britische Reiseblogger, der den YouTube-Kanal Bald and Bankrupt leitet, hat im Laufe seiner Reisen alle 15 ehemaligen Sowjetrepubliken besucht. Basierend auf Hunderten von Begegnungen und persönlichen Erfahrungen hat er sein eigenes Ranking der Länder erstellt und diese nach Atmosphäre, visumrechtlichen Schwierigkeiten und dem Alltag bewertet.
Turkmenistan: Das Land mit verschlossenen Türen
Am unteren Ende der Liste befindet sich Turkmenistan. Der Blogger nannte es das schwierigste Land zu besuchen. Eine Reise hier ist mit einem strengen Visumsystem, der obligatorischen Begleitung durch einen Guide und einem faktischen Fehlen von Bewegungsfreiheit verbunden. Der Autor hob auch Probleme mit dem Internet, den Zustand der Straßen und nächtliche Ausgangssperren hervor, die die Bewegung im Land einschränken.
Kasachstan und Aserbaidschan: Distanzen und Monotonie
Kasachstan wurde, laut dem Blogger, zum am wenigsten bekannten Land aufgrund des Mangels an Zeit für seine Erforschung. Als Hauptnachteile nannte er die enormen Entfernungen und langen Reisen. „Man muss tagelang mit dem Zug fahren und auf Heuschrecken und Kamele schauen', beklagte sich der Brite und fügte hinzu, dass ihm die Städte nicht besonders interessant erscheinen und die Erfahrung mit dem Taxi unangenehm war.
Aserbaidschan erhielt eine zurückhaltendere Bewertung. Der Autor hob die freundlichen Menschen und das komfortable Baku hervor, betrachtete das Land aber als nicht vielfältig genug für eine lange Reise. „Wenn Sie ein paar Tage in Baku waren, haben Sie praktisch alles gesehen, was Aserbaidschan zu bieten hat', fasste der Reisende zusammen.
Baltikum: Sicherheit und „Gopniks'
Estland beschrieb der Blogger als ein schönes, sicheres und technologisch fortgeschrittenes Land, aber zu ruhig für diejenigen, die Abenteuer suchen. Tallinn wurde als eine wunderschön erhaltene mittelalterliche Stadt bezeichnet, in der keine Chance besteht, Schläger oder korrupte Polizisten zu treffen.
Den Autor verglich Lettland mit Estland, jedoch mit einem düstereren Unterton: „Lettland ist der Bruder Estlands in Adidas'. Unter Hinweis auf geringfügige Straßenkriminalität hob er dennoch die „gopnikische' Atmosphäre und die Kontraste zwischen den Städten und vernachlässigten Vierteln hervor.
Georgien und Armenien: Essen, Berge und Service
Georgien erscheint auf dem Papier als das ideale Land für Abenteuer: unglaubliche Landschaften, schneebedeckte Berge, subtropische Strände und das beste Essen im ehemaligen Sowjetunion. Die Popularität bei Touristen spielte ihr jedoch ins Bein: Der Autor senkte das Ranking aufgrund von grobem Service und negativen persönlichen Erfahrungen.
Armenien, das den Blogger lange Zeit durch die Schwierigkeit des Visums und die Geschichte faszinierte, schenkte ihm am Ende eine positive Erfahrung. Die Berge und die sowjetische Architektur beeindruckten ihn.
Russland: Liebe und Traumata
Russland hat für den Briten eine enorme persönliche Bedeutung. Genau dorthin reiste er zu seiner ersten unabhängigen Reise als Teenager Anfang der 90er Jahre. Er lebte zwei Monate in einer Wohnung an der Prospekt Mira, erforschte tagsüber die Überreste des Imperiums und feierte nachts im legendären Club „Hungrige Ente'. Diese Reisen veränderten sein Leben.
Aber aufgrund zahlreicher negativer Vorfälle – zwei Überfälle in den Provinzen, erzwungene öffentliche Entschuldigungen und eine Verhaftung in Sibirien – belegte Russland nur den fünften Platz in seiner Liste. Trotz persönlicher freundschaftlicher Bindungen und starker Emotionen ließen die gefährlichen Situationen das Land nicht höher steigen.
Ukraine: Ein besonderer Platz im Herzen
Die Ukraine nimmt einen einzigartigen Platz im Ranking ein. Der Blogger besuchte das Land zum ersten Mal im September 1993 und war seitdem etwa 30 Mal dort – häufiger als in jeder anderen postsowjetischen Republik. Er betont die Einzigartigkeit der ukrainischen Kultur, Küche und Menschen und hebt besonders die „legendären Großmütter' hervor.
„Ukrainer sind die richtige Mischung aus slawischer Gleichgültigkeit und Gastfreundschaft, und sie haben die Dreharbeiten im Land zu einem echten Vergnügen für mich gemacht', teilte der Autor mit. Für ihn wurde die Ukraine zum Symbol für Eigenständigkeit und Gastfreundschaft, die man nirgendwo anders finden kann.