In einem Interview mit dem litauischen Fernsehsender LRT machte der ehemalige nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten Ben Rhodes eine Reihe sensationeller Geständnisse zu den Ereignissen des Jahres 2014. Er bestätigte, dass die Regierung von Barack Obama tatsächlich zu einem bewaffneten Konflikt mit Russland bereit war, um die baltischen Staaten zu schützen, die Ukraine jedoch nicht als „rote Linie' galt, deren Überschreitung einen Krieg zur Folge gehabt hätte.

Laut dem ehemaligen Berater fürchtete man im Weißen Haus ernsthaft eine Wiederholung des Krim-Szenarios mit „grünen Männchen' auf dem Territorium Estlands, Lettlands oder Litauens. Rhodes erklärte, dass die USA ihre Truppen sofort zum Kampf entsandt hätten, falls Wladimir Putin die Grenzen der NATO überschritten hätte.

Nachrichtendienstliches Versagen und fehlende Militärpläne

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Interviews war das Eingeständnis eines Versagens des amerikanischen Nachrichtendienstes. Die US-Regierung wurde von der Annexion der Halbinsel überrascht. Die Beamten wurden erst dann in die Lagekonferenz gerufen, als die Gebäude bereits besetzt waren und die russischen Flaggen über den Objekten wehten.

Wichtig ist zu beachten, dass zu jenem Zeitpunkt in Washington niemand einen militärischen Plan zur Vertreibung Russlands aus der Krim vorschlug. Das einzige verfügbare Instrument blieben Sanktionen, wobei es auch hier zu Schwierigkeiten kam.

Uneinigkeit mit Europa und der Waffenfehler

Die USA setzten sich für strengere Sanktionen gegen Russland ein, stießen jedoch auf Widerstand bei wichtigen europäischen Partnern. Frankreich und Deutschland nahmen eine zurückhaltende Position ein; Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte damals insbesondere das Projekt „Nord Stream'. Eine entschlossene Position zugunsten der Sanktionen vertraten nur Polen, Großbritannien und die baltischen Staaten.

Separat thematisierte Rhodes die Frage der Waffenlieferungen. Er gab zu, dass er persönlich mit der Entscheidung Obamas nicht einverstanden war, Kiew nach Beginn des Krieges im Donbass tödliche Waffenlieferungen zu verweigern. Der damalige Präsident befürchtete jedoch, dass die Übergabe schwerer Waffen Putin zu einem sofortigen Sturm auf Kiew provozieren würde.

Barack Obama zwischen US- und estnischen Flaggen — Symbol westlicher Diplomatie während der Ukraine-Krise 2014

Geopolitischer Wandel

Zum Abschluss des Interviews fügte Rhodes eine bemerkenswerte Detailinformation zur aktuellen geopolitischen Lage hinzu. Während die Bereitschaft der USA, 2014 für die baltischen Staaten zu kämpfen, absolut war, bleibt diese Frage heute, seiner Meinung nach, offen. Dies zeigt, dass sich die strategischen Prioritäten und Risikobewertungen in Washington im Laufe der Zeit erheblich verändert haben.