In Moskau und der Region Moskau werden vor dem Hintergrund einer beispiellosen Anzahl von Angriffen auf die russische Ölraffinerieindustrie Beschränkungen für den Verkauf von Kraftstoffen für Kraftfahrzeuge eingeführt. Autobesitzer sehen sich neuen Regeln gegenüber: An einer Tankstelle dürfen nun nicht mehr als 60 Liter Benzin gekauft werden.

Limitierungen an Tankstellen und Vergleich mit der Krim

Informationen über die Einführung von Beschränkungen stammen aus russischen Telegram-Kanälen, insbesondere aus der Gemeinschaft WTSCHK-OGPU. An Tankstellen im neuen Teil Moskaus erschienen Hinweisschilder, die Fahrer über vorübergehende Maßnahmen informieren. Laut den Daten darf einem Käufer ab sofort nicht mehr als 60 Liter Kraftstoff abgegeben werden.

Dieses Limit ist deutlich weniger streng als die in anderen Regionen geltenden. Zum Vergleich: Auf der besetzten Krim wurde zuvor ein Limit von 20 Litern pro Person eingeführt. Dennoch deuten auch die moskowitischen Normen auf den Beginn einer Knappheit hin.

Diesel im Visier: Neue Regeln und Gründe

Die Probleme betreffen nicht nur Benzin. Das Magazin The Moscow Times berichtet, dass einzelne Tankstellen den Verkauf von Dieselkraftstoff auf 100 Liter pro Kunde begrenzt haben. In den Mitteilungen wird betont, dass diese Regeln „bis auf Weiteres“ gelten, was auf die Instabilität der Situation und eine mögliche Verschärfung der Beschränkungen in Zukunft hindeutet.

Grund für die Einführung der Limits ist ein akuter Mangel an Kraftstoffen, der nach einer Serie von Angriffen ukrainischer Drohnen auf Objekte der Ölraffineriebranche entstanden ist. Die Situation ist so kritisch, dass Russland gezwungen war, ein Exportverbot für Benzin einzuführen, um den Binnenmarkt zu versorgen.

Rekordzahl an Angriffen und Produktionsrückgang

Laut dem Nachrichtenagentur Bloomberg hat die Ukraine im letzten Monat 16 Angriffe auf russische Ölraffinerien durchgeführt. Dies ist ein Rekordwert seit Beginn des umfassenden Krieges. Ziel der Angriffe waren nicht nur Raffinerien, sondern auch Ölpipelines, Tanklager sowie die für den Export von Erdölprodukten genutzte Hafeninfrastruktur.

Die Folgen der Angriffe haben sich bereits in den Produktionsstatistiken niedergeschlagen. Reuters berichtete, dass die Produktion von Dieselkraftstoff in Russland bereits zum zweiten Monat in Folge sinkt. Laut der Agentur sanken die Produktionsmengen für Diesel im Mai im Vergleich zu April um etwa 10 %.

Wirtschaftskrise in der Branche

Die Situation wird durch wirtschaftliche Faktoren verschärft. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst (SZR) erklärte, dass der Verkauf von Benzin auf dem russischen Binnenmarkt für Tankstellenbetreiber immer weniger profitabel wird. Experten führen dies auf steigende Kosten, logistische Probleme, Sanktionsdruck und die Priorisierung des Exports von Erdölprodukten zurück, der zuvor profitabler war als der Inlandsverkauf.