In Russland entwickelt sich eine weitreichende Krise bei der Treibstoffversorgung. Die Lage an den Tankstellen wird zunehmend angespannt: Autofahrer stoßen auf lange Warteschlangen, und in einigen Regionen werden Verkaufsbeschränkungen für Benzin eingeführt. Auslöser der Verschärfung ist eine neue Welle von Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur, die zu einem starken Anstieg der Endverbraucherpreise geführt hat.

Rekordartiger Preisanstieg bei Kraftstoffen

Statistische Daten bestätigen den beunruhigenden Trend. Laut Informationen des russischen Statistischen Bundesamtes (Rosstat) stieg der Durchschnittspreis für Benzin im Zeitraum vom 23. bis 29. Juni im Land um weitere 1,7 % und erreichte 72,38 Rubel pro Liter. Experten stellen fest, dass dies vor dem Hintergrund des stärksten wöchentlichen Preisanstiegs in mindestens zwei Jahrzehnten geschah.

Auch die Lage bei Dieselkraftstoff hat sich verschlechtert. Im selben Zeitraum stieg der Durchschnittspreis für Diesel um 2,3 % auf 84,84 Rubel pro Liter. Dieser Anstieg wirkt sich direkt auf die Logistik und den Transportsektor aus und schafft die Voraussetzungen für eine weitere Verteuerung von Waren und Dienstleistungen.

Auswirkung der Angriffe auf Ölraffinerien

Die Hauptursache für den Treibstoffkollaps waren Angriffe auf Industrieanlagen. Nach Berechnungen der Agentur Bloomberg hat die Ukraine seit Anfang 2026 mehr als 50 Angriffe auf russische Ölraffinerien (NPP) durchgeführt. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr 2025 wurden nur 82 solcher Angriffe registriert. Die Intensität der Angriffe ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen.

Infolgedessen mussten mehrere große Raffinerien ihren Betrieb einstellen. Dies führte zu einer drastischen Verringerung der Erdölverarbeitungsmengen und folglich zu einem Mangel am inländischen Angebot an Kraftstoffen. Ende Juni meldeten etwa 90 % der russischen Regionen den Behörden Lieferengpässe oder die Einführung von Benzinquoten.

Reaktion der Behörden und wirtschaftliche Risiken

Die Verschlechterung der Lage auf dem Kraftstoffmarkt sorgt im Kreml für ernste Besorgnis. Die Behörden befürchten, dass Mangel und Preisanstieg die Inflation beschleunigen und sozialen Unmut auslösen könnten, was besonders kritisch vor den im September anstehenden Parlamentswahlen ist.

Die Zentralbank Russlands hat bereits erklärt, dass sie die aktuelle Situation auf dem Kraftstoffmarkt bei zukünftigen Entscheidungen zur Geldpolitik berücksichtigen wird. Präsident Wladimir Putin hat die Probleme bei der Versorgung anerkannt, sie jedoch als „nicht kritisch“ bezeichnet.

Gleichzeitig hat Moskau den Vorschlägen zur Einstellung gegenseitiger Langstreckenangriffe und zur Begrenzung der Kampfhandlungen auf vier von Russland besetzte Regionen der Ukraine widersprochen. Diese Entscheidung erhält das hohe Risiko weiterer Angriffe auf die Energieinfrastruktur aufrecht und verschärft die Instabilität auf dem Binnenmarkt.