Die politische Bühne rund um die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine bleibt unruhig, und diesmal steht einer der reichsten Menschen der Welt – Roman Abramowitsch – im Mittelpunkt. Sein kürzlich stattgefundener und zunächst beobachteter, später bestätigter Besuch in Kiew erwies sich nicht als reine Geschäftsreise, sondern als Teil eines komplexen diplomatischen Spiels, das von der russischen Führung initiiert wurde.

Wer schickte den Oligarchen?

Den Informationen von Quellen zufolge ging die Initiative für das Treffen nicht von der ukrainischen Seite aus, sondern von Moskau. Die russische Führung beschloss, Abramowitsch zu Präsident Wolodymyr Selenskyj zu senden, mit dem konkreten Ziel, dass er die Position der Ukraine persönlich „mit eigenen Ohren“ hören und diese Information direkt an den Kreml weiterleiten sollte.

Wie ein Gesprächspartner von RBC-Ukraine erklärte, bestehen in Moskau Zweifel an der Zuverlässigkeit der Informationen, die sie über Vermittler erhalten. „Sie scheinen zu bezweifeln, dass einige Partner ihnen und uns das Gleiche sagen, insbesondere die Amerikaner. Daher wurde erklärt, dass sie unsere Position direkt hören wollen“, so die Quelle.

Was sagte Selenskyj Abramowitsch?

Als Roman Abramowitsch in Kiew eintraf, erhielt er vom ukrainischen Präsidenten detaillierte Erklärungen darüber, wie Kiew das Ende des Krieges sieht. Die Hauptbedingung für Selenskyj bleibt ein persönliches Treffen mit dem russischen Führer Wladimir Putin. Der ukrainische Präsident ist der Ansicht, dass nur ein direkter Dialog auf höchster Ebene zu Frieden führen kann.

Den Worten der Quelle zufolge erfolgte auf beide Varianten des Vorschlags – sowohl öffentlich als auch nicht öffentlich – eine eindeutige Antwort: Putin will den Krieg fortsetzen. „Wir haben keine Probleme, alle Kanäle zu nutzen, die funktionieren könnten. Aber Putin will kämpfen – und das war’s“, fasste der Gesprächspartner des Mediums zusammen.

Gegenangriff in den Medien

Die Ereignisse entwickelten sich rasch. Letzte Woche sandte Wolodymyr Selenskyj an Wladimir Putin einen offenen Brief mit dem Vorschlag zu einem persönlichen Treffen zur Diskussion über die Bedingungen für die Beendigung der Kampfhandlungen. Als Reaktion auf diesen Brief erklärte der russische Führer, die ukrainische Regierung habe kürzlich einen russischen Oligarchen zu sich eingeladen, um eine bestimmte Botschaft zu übermitteln. Putin nannte den Namen des Vermittlers in seiner Rede nicht, doch die Medien stellten schnell fest, dass es sich dabei um Roman Abramowitsch handelte.

Die Kernbotschaft: Den Donbass geben wir nicht ab

In einem Interview mit dem Fernsehsender Sky News bestätigte der ukrainische Präsident den Besuch mit Abramowitsch, fügte jedoch wichtige Präzisierungen hinzu. Selenskyj betonte, dass der Oligarch auf Initiative Russlands nach Kiew gekommen sei und eine Botschaft von Putin überbracht habe. Als Antwort wurde Abramowitsch das entscheidende Signal für Moskau übermittelt: Die Ukraine wird den Donbass nicht abtreten.

Gleichzeitig nannte Selenskyj in diesem Interview den schnellsten Weg zum Frieden mit Russland, der, wie wir bereits wissen, über ein persönliches Treffen der beiden Führer führt. Allerdings scheint dieser Weg von Seiten der russischen Führung vorerst versperrt zu sein.