In Italien ist einer der lautesten Gerichtsprozesse der letzten Jahre abgeschlossen, der mit architektonischem Betrug zu tun hat. Franco Malosso, 69 Jahre alt aus Vicenza und in engen Kreisen als „von Rosenfranz' bekannt, wurde endgültig zu einer Haftstrafe verurteilt. Fast zwei Jahrzehnte lang hat der Mann Touristen und Behörden getäuscht, indem er ein von ihm selbst gebautes modernes Bauwerk als antiken römischen Amphitheater ausgab.

Die Geschichte des Betrugs: von Julius Cäsar bis zu Julia

Seit 2005 überzeugte Franco Malosso Besucher davon, dass auf den Hügeln von Arcungnano ein einzigartiger archäologischer Fund entdeckt worden sei – der Berico Maritime Amphitheater. Laut seinen Angaben wurde das Bauwerk angeblich nach einem Erdrutsch gefunden. Malosso scheute sich nicht vor Details: Er behauptete, der Amphitheater stamme aus dem Jahr 393 n. Chr. und sei einer der größten der Welt.

Um der Legende Glaubwürdigkeit zu verleihen, erzählte der Betrüger, dass in den Mauern dieses „Denkmals' Julius Cäsar, Kleopatra und sogar die fiktive Julia Capulet gewesen seien. Touristen, die diesen Geschichten glaubten, zahlten 40 Euro für Führungen. Darüber hinaus wurde das Bauwerk dank der Beharrlichkeit von Malosso sogar in einen regionalen Reiseführer aufgenommen.

Wie die „Antike' erschaffen wurde

Die Wahrheit über die Natur des Bauwerks kam 2016 nach einer Beschwerde lokaler Behörden ans Licht. Zur Überprüfung wurden professionelle Archäologen und die italienische Militärpolizei hinzugezogen. Die Ermittlungen zeigten, dass es an dieser Stelle kein antikes Denkmal gab. Anstelle historischer Ruinen stellten die Experten einen halbkreisförmigen Komplex fest, der aus modernen Materialien errichtet worden war.

Um den Effekt der Alterung zu erzeugen, verwendete Malosso künstlich gealterte Steinblöcke, Zementssäulen und Gipsplastiken. Außerdem richtete er einen künstlichen Teich ein, um den Eindruck des „maritimen' Amphitheaters zu verstärken. Der Betrüger verfügte über keine Genehmigungen für bauliche Maßnahmen.

Das Urteil des Gerichts und die Folgen

Der Gerichtsprozess gegen Malosso zog sich fast 10 Jahre hin. Bereits 2019 wurde er vom Gericht des illegalen Baus, der Fälschung von Kunstwerken und des Baus von Bauwerken ohne Genehmigungen für schuldig befunden. Damals wurde auch das Urteil gefällt: 2 Jahre und 4 Monate Haft, eine Geldstrafe von 3.000 Euro sowie die Verpflichtung, den selbstwillig errichteten Komplex abzureißen und dem Hügel sein ursprüngliches Aussehen zurückzugeben.

Die Anwälte des Angeklagten versuchten, das Urteil anzufechten, indem sie zahlreiche Berufungen einreichten. Doch den Schlussstrich zog das Gericht im Juli 2026, indem es den letzten Antrag auf Ersatz der Haftstrafe durch gemeinnützige Arbeiten ablehnte. Nun muss „von Rosenfranz' seine Strafe in einer Strafanstalt verbüßen.