Wissenschaftler haben die großangelegte Arbeit zur Digitalisierung und Übersetzung einer Sammlung von Tontafeln abgeschlossen, die mehr als viertausend Jahre alt sind. Die aus dem Nichts geborgenen alten Texte werfen ein unerwartetes Licht auf den Alltag der ersten Zivilisationen im Nahen Osten. Wie sich herausstellte, kümmerten sich die alten Bürokraten nicht nur um das Schicksal der Imperien, sondern auch um die genaue Erfassung des Alkoholverkaufs.

Die Informationen zur Untersuchung stammen von der Universität Kopenhagen. Einen besonderen Wert unter den entschlüsselten Artefakten haben die Tafeln, die bei Ausgrabungen in der syrischen Stadt Hama gefunden wurden. Diese Stadt wurde im Jahr 720 v. Chr. von einer assyrischen Armee zerstört. In ihrer Eile ließen die Eroberer einen Teil der Bibliothek eines großen Tempels zurück, in dem seltene medizinische Rezepte und magische Anweisungen aufbewahrt wurden, die nun der Wissenschaft zugänglich sind.

Magie als Instrument der Macht

Die größte Sensation der Studie war ein einzigartiger Antihexer-Ritual, das zum Schutz des Monarchen bestimmt war. Die Methode bestand in der Nutzung des Transfer-Effekts: Ein Exorzist formte kleine Figuren aus Wachs und Ton, die die Feinde verkörperten, und verbrannte sie während der Nacht unter dem ununterbrochenen Rezitieren von Zaubersprüchen.

Die Wissenschaftler waren überrascht, diesen rein höfischen assyrischen Text an der Grenze des Imperiums zu finden. Dies beweist, dass die alten Herrscher magische Anweisungen als echtes Instrument des Krisenmanagements nutzten, um die Macht auch in den Provinzen zu bewahren.

Finanzen und Geschichte in Ton

Die Keilschrift, die vor etwa 5200 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Irak und Syriens entstand, entwickelte sich gerade aufgrund der Notwendigkeit, komplexe städtische Systeme zu kontrollieren. Die alte Bürokratie entwickelte ihren eigenen Ansatz zur Ressourcenkontrolle – jedes einzelne Handeln auf Ton festzuhalten. Dies ermöglichte es den Zivilisationen, sich erfolgreich zu skalieren.

Ein leuchtendes Beispiel dafür war ein in der Sammlung gefundener alltäglicher Finanzdokument – eine alte und detailliert ausgefüllte Quittung für erhaltenes Bier. Dieses Artefakt erfüllte die Rolle eines modernen Kassenbons zur Berichterstattung gegenüber den Aufsehern.

Beweis für die Realität von Gilgamesch

Neben den Alltagsquittungen entdeckten die Forscher auch ein echtes historisches Schatzstück – eine Kopie der berühmten „Königsliste“. Das Dokument enthält eine Liste von Herrschern, beginnend mit mythischen Zeiten bis zur Sintflut.

Die Einzigartigkeit des dänischen Exemplars, das als Lehrtext für alte Schreiber diente, liegt in der Erwähnung des legendären Königs Gilgamesch. Dies ist einer der wenigen materiellen Beweise dafür, dass der Held des berühmtesten Epos der Menschheit nicht nur eine fiktive Figur der Mythen war, sondern eine reale historische Gestalt, die im dritten Jahrtausend v. Chr. regierte.