Im ukrainischen Bildungsraum entbrennt eine Debatte über die Zukunft der Nationalen Mehrfachfachprüfung (NMT). Im Mittelpunkt steht der Vorschlag, Mathematik als nicht verpflichtendes Fach auszuweisen und den Prüfungsprozess auf mehrere Tage zu verteilen. Die Bildungsombudsfrau Nadia Leschyk hat diese Initiativen scharf kritisiert und sie als potenziell gefährlich für die Zukunft des Landes bezeichnet.
Mathematik als Fundament von Wirtschaft und Verteidigung
Die Idee, das verpflichtende Programm der NMT zu kürzen und Mathematik in den Bereich der Wahlfächer zu verschieben, wurde von einer Gruppe von Volksabgeordneten im Rahmen eines alternativen Gesetzesentwurfs zur Zulassungskampagne 2027 vorgebracht. Experten sehen darin jedoch eine ernsthafte Bedrohung für die Qualität des Humankapitals.
Nadia Leschyk betont, dass Mathematik grundlegende kognitive Fähigkeiten und analytisches Denken fördert, ohne die eine Entwicklung der Schlüsselbereiche der Wirtschaft unmöglich ist. „Die Ukraine benötigt bereits heute und in Zukunft Fachkräfte für die Wirtschaft, die Infrastruktur und den Verteidigungskomplex', so die Ombudsfrau.
Das Problem des Mangels an qualifizierten Fachkräften ist bereits akut. Als Beispiel nannte Leschyk die Position von Vertretern des Verteidigungsunternehmens Fire Point. Die Experten verzeichnen einen Mangel an Mitarbeitern, die mit hochpräzisen Waffensystemen, Navigationssystemen und Ballistik arbeiten können. Nach Ansicht der Ombudsfrau ist der Versuch, die mathematische Bildung zu vereinfachen, ein direkter Weg zur Niederlage.
Gegen den Ausschluss von Mathematik aus der Liste der Pflichtfächer haben sich bereits der Bildungs- und Wissenschaftsminister Oksen Lysowoi, die Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko und die Führung des Ukrainischen Zentrums für die Bewertung der Bildungsqualität ausgesprochen. Sie sind überzeugt, dass Mathematik auch unter Kriegsbedingungen ein obligatorischer Bestandteil der Prüfung bleiben muss.
Risiken einer mehrtägigen Prüfung im Kriegsfall
Ein weiterer Aspekt der Debatte betrifft das Format der Prüfung. Vorschläge, die NMT über mehrere Tage durchzuführen, bezeichnet die Ombudsfrau als unzweckmäßig. Obwohl dieses Modell für einige Regionen bequem erscheinen mag, schafft es ungleiche Bedingungen für Absolventen aus Grenz- und Frontnähe.
Viele Studienbewerber müssen sich heute auf den Weg zu den Prüfungsorten machen und riskieren dabei Beschuss. Die Verteilung der Prüfung auf mehrere Tage würde die Risiken sowie die Kosten für Transport und Unterkunft nur erhöhen. Auch für ukrainische Studierende im Ausland würden Schwierigkeiten entstehen, da sie die Prüfungszentren mehrfach aufsuchen müssten.
„Unter Kriegsbedingungen haben alle während der NMT Unannehmlichkeiten. Die Aufteilung der Prüfung auf mehrere Tage würde Kinder aus verschiedenen Regionen in eine ungleiche Lage bringen. Daher sollte man das nicht tun', fasste Leschyk zusammen.
Technische Störungen und der Schutz der Rechte der Studienbewerber
Die Ombudsfrau berührte auch das Thema technischer Probleme, mit denen die Prüfungsteilnehmer konfrontiert sind. Sie erinnerte daran, dass in den Prüfungsorten Reservearbeitsplätze für den Fall von Störungen bei Computern, Internet oder Stromversorgung vorgesehen sein müssen.
Das Schlüsselprinzip, das das System einhalten muss: Die Zeit, die zur Behebung von Störungen aufgewendet wurde, darf dem Teilnehmer nicht angerechnet werden, und die Organisatoren sind verpflichtet, diese Verluste zu kompensieren. Im Zusammenhang mit dem viel diskutierten Fall einer Studienbewerberin aus Winniza vermutete Leschyk, dass das Problem mit der Nachlässigkeit der Mitarbeiter eines temporären Prüfungszentrums zusammenhängen könnte.
In solchen Fällen rät die Ombudsfrau, nicht die Nerven zu verlieren, sondern sofort eine Beschwerde einzureichen und einen Antrag auf Teilnahme an einer zusätzlichen Prüfungssitzung zu stellen, um die Rechte auf den Hochschulzugang zu schützen.