Der bekannte Biohacker und Unternehmer Brian Johnson hat eine sensationelle Aussage getroffen, die die wissenschaftliche Gemeinschaft sofort in Skeptiker und Enthusiasten spaltete. In seinem Blog teilte er mit, dass er eine Kopie von sich selbst in Form eines Neugeborenen geschaffen habe, und nun existiert „Baby Brian“ in einer Petrischale. Hinter den bombastischen Formulierungen verbirgt sich jedoch eine komplexe Realität der regenerativen Medizin, in der Technologien bereits das Reprogrammieren von Zellen ermöglichen, aber noch nicht gelernt haben, vollwertige Organe zu züchten.

„Baby Brian“ in der Petrischale: Mythos oder Realität?

Johnsons Beitrag beginnt mit einer provokativen Phrase über das Klonen von sich selbst als Säugling. Laut dem 48-jährigen Unternehmer wird diese „Kopie“ der Schlüssel zu Unsterblichkeit und Gesundheit sein. Er listete eine breite Palette von Anwendungen auf: von der Verwendung des Klons als eigenem Blutspender bis hin zum Testen neuer Therapien an ihm und dem Anbau von Organen für Transplantationen.

Wenn man jedoch den Pathos beiseitelegt, deutet die von Johnson selbst gegebene Beschreibung des Verfahrens auf eine völlig andere Technologie hin. Es geht nicht um Klonen im wörtlichen Sinne, sondern um die Arbeit mit induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen). Weder ein Embryo noch ein zweiter Brian Johnson in physischer Form wurde geschaffen.

Der Biohacker selbst beschrieb die Prozessschritte ziemlich genau: Ihm wurde Blut entnommen, Zellen extrahiert, Yamanaka-Faktoren angewendet, das epigenetische Alter zurückgesetzt und die Zellen in einen embryonalähnlichen Zustand zurückversetzt. Genau so werden iPS-Zellen gewonnen – universelle Zellen, die sich in jeden Gewebetyp des Körpers verwandeln können.

Die Technologie, die die Medizin verändert hat

Die von Johnson verwendete Methode wurde 2006 vom japanischen Wissenschaftler Shinya Yamanaka entwickelt, wofür er 2012 den Nobelpreis erhielt. Der Kern der Methode besteht in der Verwendung eines Satzes von vier Transkriptionsfaktoren, die eine reife spezialisierte Zelle (z. B. eine Blutzelle) umprogrammieren und ihr „Gedächtnis“ an die Spezialisierung löschen.

Nach einem solchen Verfahren verhält sich die Zelle wie eine embryonale Zelle und kann sich unbegrenzt teilen. Pluripotenz bedeutet die Möglichkeit, sich in Hunderte von Zelltypen zu verwandeln: Neuronen, Kardiomyozyten, Netzhautzellen und andere Gewebe. Der entscheidende Vorteil der Technologie besteht darin, dass das Material vom Patienten selbst stammt, was das Risiko einer Abstoßung bei der Transplantation auf ein Minimum reduziert.

Anlass für das Experiment: eine unheilbare Diagnose

Anlass für diesen radikalen Schritt war eine persönliche Diagnose. Anfang Juli teilte Johnson mit, dass bei ihm eine Autoimmungastritis diagnostiziert wurde – ein unheilbarer Zustand, bei dem das Immunsystem die säureproduzierenden Zellen des Magens angreift. Er selbst beschrieb dies als „den Magen, der sich selbst frisst“.

Die Erkrankung stört die Aufnahme von Nährstoffen, was zu Eisen- und Vitamin-B12-Mangel sowie zur Entwicklung von Anämie führt. Langfristig wird der Zustand mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs in Verbindung gebracht. Johnson nannte schlechte Ernährung und Stress im Zusammenhang mit der Erziehung von drei Kindern als Ursache. Er gab zu, dass die Diagnose eines der besten Ereignisse seit langem war, da sie neue Wege zur Wiederherstellung des Körpers eröffnete.

Träume von Unsterblichkeit versus medizinische Realität

Johnson ist für seine radikalen Experimente an seinem eigenen Körper bekannt. Sein Programm Blueprint umfasste eine strenge Diät, ständige Analysen und Plasma-Transfusionen. Nicht alles funktionierte perfekt: In einem Interview gab er zu, dass er die Einnahme von Wachstumshormonen bereut, die zu erhöhtem Hirndruck und gestörtem Glukosespiegel führten.

Das heutige Ziel ist die Verwendung von iPS-Zellen zur Behandlung der Gastritis. Es ist jedoch zu verstehen, dass der Anbau vollwertiger transplantierbarer Organe eine der schwierigsten Aufgaben bleibt. Die regenerative Medizin hat das Problem der komplexen dreidimensionalen Architektur eines Organs, seines Gefäßnetzwerks und seiner korrekten Funktion nach der Transplantation noch nicht gelöst. Im Labor können einzelne Zelltypen und einfache Gewebestrukturen gewonnen werden, aber eine ganze Leber oder Niere zu züchten, ist derzeit noch nicht möglich.

Erste klinische Erfolge

Trotzdem geht die iPS-Zell-Technologie bereits über Laboratorien hinaus. 2025 wurden im Journal Nature die Ergebnisse einer kleinen Studie der Phase I/II veröffentlicht, bei der sieben Patienten mit Parkinson-Krankheit Vorläufer von dopaminergen Neuronen ins Gehirn transplantiert wurden.

Während des Beobachtungszeitraums wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse oder Tumore festgestellt. Die Bildgebung zeigte, dass die transplantierten Zellen überlebten und begannen, Dopamin zu produzieren. Dieser Durchbruch gibt Hoffnung, dass Brian Johnsons Experimente, trotz ihrer übertriebenen Darstellung, Teil der realen Zukunft der Medizin werden könnten.