Großflächige Stromausfälle verwandeln die nächtliche Stadt in einen Raum, in dem gewohnte Orientierungspunkte verschwinden und die Gewohnheit, „einfach eine bekannte Straße entlangzufahren“, lebensgefährlich wird. Zunächst begreifen Autofahrer, die sich in einer stromlosen Ortschaft befinden, nicht sofort, warum die Fahrzeugsteuerung versagt hat: Die Beleuchtungsanlage moderner Autos ist intakt, die Scheinwerfer leuchten, und dennoch wirkt die Straße „fremd“ und feindselig. Der Grund dafür ist, dass die städtische Umgebung nachts bei einem Blackout gleichzeitig mehr Gefahren birgt als eine Landstraße: Fußgänger, Radfahrer, geparkte Autos, unbeleuchtete Kreuzungen und der Gegenverkehr, dessen jedes Aufblinken das an die Dunkelheit angepasste Sehvermögen stört. Verkehrssicherheitsexperten betonen, dass unter solchen Bedingungen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Fahrweise selbst geändert werden muss.
Gegenlicht: Der Hauptfeind des angepassten Sehens
Nach einigen Minuten Fahrt durch eine unbeleuchtete Straße passen sich die Augen des Fahrers an die schwache Beleuchtung der eigenen Autoscheinwerfer an. In diesem Moment verschlechtert das Auftauchen heller Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs die Sicht für einige Sekunden drastisch – genau in diesem Intervall verliert der Fahrer die Möglichkeit, eine Gefahr auf seiner Fahrspur zu erkennen. Die Situation wird dadurch verschlechtert, dass bei Verkehr voraus das Fernlicht verboten ist, was bedeutet, dass der Sichtbereich auf das Abblendlicht beschränkt ist, das den hinteren Teil der Kreuzung nicht „erreicht“. Infolgedessen verkürzt sich die Reaktionszeit, und viele Fahrer bemerken ein Hindernis erst im letzten Moment, wenn der Bremsweg keinen stoppenden Bereich ohne Kollisionsrisiko mehr zulässt.
Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter-Fahrer: Die unsichtbaren Verkehrsteilnehmer
Eine Ortschaft ist ein Ort der Konzentration von Fußgängern, die sich unter Blackout-Bedingungen untypisch verhalten. Eine Person in dunkler Kleidung kann auf der Fahrbahn fast unbemerkt auftauchen, insbesondere wenn ihre Silhouette durch entgegenkommende Scheinwerfer oder andere Fahrzeuge verdeckt wird. Radfahrer und E-Scooter-Fahrer stellen eine noch größere Bedrohung dar: Sie bewegen sich schneller als Fußgänger, ihre Konturen sind weniger ausgeprägt, und bei unzureichender Beleuchtung sind sie in einer Entfernung von mehr als 30–40 Metern praktisch nicht zu erkennen. Darüber hinaus nutzen Fußgänger bei großflächigen Stromausfällen keine Unterführungen mehr (ohne Beleuchtung funktionieren sie nicht) und beginnen, die Straße an beliebigen Stellen zu überqueren, zudem sammeln sie sich auf der Fahrbahn in der Nähe überfüllter Bushaltestellen.
Geparkte Autos: Die „dunkle Masse“ am Straßenrand
Fahrzeuge, die ohne eingeschaltete Begrenzungsleuchten am Straßenrand abgestellt sind, werden zu einer echten Falle. Ihre Konturen verschwimmen in der Dunkelheit, und Rückstrahler (Reflektoren) werden erst aus kurzer Entfernung sichtbar. Autoexperte Oleg Wasilewski, Direktor der Aktion „Auto des Jahres“ und Chefredakteur von UDRIVE Media, nennt ein persönliches Beispiel: Seine Eltern gerieten genau deshalb in einen Motorradunfall, weil ein am Straßenrand geparktes Auto weder Begrenzungsleuchten noch ein Warndreieck oder einen Rückstrahler hatte. „Das ist keine abstrakte Gefahr, sondern das, was im wirklichen Leben mit realen Menschen passiert“, betont er. Der Experte erinnert auch an den grundsätzlichen Unterschied zwischen „sehen“ und „gesehen werden“: eingeschaltete Begrenzungsleuchten, funktionierende Bremslichter, die Warnblinkanlage bei einem Notstopp und ein aufgestelltes Warndreieck sind keine Formalität, sondern eine Frage des Überlebens.
Erste Regel: Geschwindigkeit entsprechend der Sichtweite
Die Hauptregel für das Fahren durch eine dunkle Stadt besteht darin, die Geschwindigkeit an die tatsächliche Sichtweite anzupassen und nicht an die Gewohnheit oder die Verkehrsflussgeschwindigkeit. Selbst wenn die Straße vertraut ist und normalerweise in einem höheren Gang befahren wird, muss sie bei einem Blackout langsamer befahren werden. Die Physik ist hier erbarmungslos: Wird die Geschwindigkeit halbiert, verkürzt sich der Bremsweg auf ein Drittel bis ein Viertel. Gleichzeitig sollte der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößert werden, da dessen Fahrer ebenfalls abrupt bremsen könnte, wenn er die Gefahr im letzten Moment bemerkt. Dabei ist die Fahrbahnmarkierung kaum sichtbar, die Ränder der Fahrbahn gehen in der Dunkelheit verloren und andere Fahrer können die Situation falsch einschätzen – all dies erfordert den Verzicht auf unnötige Manöver und die Wahl einer einfacheren, wenn auch etwas längeren Route im Voraus.
Praktische Empfehlungen für die Zeit des Blackouts
Die Gesamtheit der Maßnahmen, die das Unfallrisiko in einer stromlosen Stadt verringern, sieht wie folgt aus. Erstens: Reduzieren Sie die Geschwindigkeit auf einen Wert, bei dem Sie innerhalb des Sichtbereichs anhalten können. Zweitens: Erhöhen Sie den Abstand zum vorausfahrenden Verkehr im Vergleich zum normalen Nachtverkehr mindestens auf das Doppelte. Drittens: Vergewissern Sie sich im Voraus, dass Begrenzungsleuchten, Bremslichter und Warnblinkanlage intakt sind und sich das Warndreieck an einem zugänglichen Ort und nicht im Kofferraum befindet. Viertens: Vermeiden Sie abrupte Manöver und Spurwechsel und wählen Sie eine einfachere Route. Fünftens: Seien Sie auf untypisches Fußgängerverhalten vorbereitet: das Überqueren der Straße an unerlaubten Stellen, Menschenansammlungen an Haltestellen und das Auftreten von Radfahrern und E-Scooter-Fahrern auf der Fahrbahn, die unter normalen Bedingungen in diesem Strom nicht vorhanden wären. Jede Fahrt durch eine dunkle Ortschaft wird sicherer, wenn sich der Fahrer von Anfang an auf schwierige Bedingungen eingestellt hat und sich nicht mehr auf den gewohnten „Autopiloten“ verlässt.