Die US-Luftfahrtbehörde FAA ist zu dem Schluss gekommen, dass ein in den Bordcomputern von Boeing 737 MAX-Flugzeugen entdecktes Softwareproblem keine Bedrohung für die Flugsicherheit darstellt. Diese offizielle Entscheidung beseitigt eines der letzten und bedeutendsten Hindernisse auf dem Weg zur lang erwarteten Zertifizierung der größten Variante der beliebten Flugzeugfamilie, der Boeing 737 MAX 10, und ebnet den Weg für deren kommerziellen Einsatz.

Hintergrund und Natur des Softwarefehlers

Zuvor war die US-Luftfahrtbehörde gezwungen gewesen, den Zertifizierungsprozess für die MAX 10-Variante vorübergehend auszusetzen, um eine detaillierte und gründliche zusätzliche Analyse durchzuführen. Das identifizierte technische Problem betraf die Bordsoftwareversion U14.1 und konnte unter einer spezifischen und relativ seltenen Kombination von Umständen zum unerwarteten Abschalten der automatischen Steuerung der vertikalen Flugbahn führen. Diese Designbesonderheit wurde vor fast zwei Jahren von der kanadischen Fluggesellschaft WestJet während eines Testflugs vor der offiziellen Indienststellung des Flugzeugs entdeckt, als sich das vertikale Navigationssystem VNAV beim Landeanflug unerwartet deaktivierte.

Risikobewertung und Durchstart-Szenario

Das FAA-Expertengremium untersuchte alle potenziellen Risiken im Detail und kam zu dem Schluss, dass Piloten selbst beim Auftreten eines solchen Hardwarefehlers jederzeit die vollständige Kontrolle über das Flugzeug behalten und alle kritischen Informationen auf den Instrumentenanzeigen klar und eindeutig bleiben. Besondere Aufmerksamkeit der Behördenspezialisten zog ein mögliches Durchstart-Szenario auf, bei dem die Besatzung eine Landung abbricht, den Triebwerksschub rasant erhöht und wieder an Höhe gewinnt. Nach Einschätzung der Behörde könnte die registrierte Softwarebesonderheit die Arbeitsbelastung des Flugbesatzung während eines derart anspruchsvollen Manövers tatsächlich vorübergehend erhöhen.

Boeings Maßnahmen und Zertifizierungsaussichten

Trotz der positiven Entscheidung der Behörde kündigte Boeing an, die aktive Arbeit an einem umfassenden Software-Update fortzusetzen. Die Ingenieure des Konzerns entwickeln zudem ein spezielles, formalisiertes Verfahren, das es Flugbesatzungen ermöglichen soll, die automatische vertikale Navigation bei ähnlichen Störungen schnell und effektiv zu reaktivieren. Es ist erwähnenswert, dass dieselbe Software auch bei einer anderen Variante verwendet wird, der Boeing 737 MAX 7, die im August erfolgreich die FAA-Zertifizierung bestanden hat, weshalb die aktuelle Entscheidung der Behörde automatisch auch auf diese Fragen ausgeweitet wird.

Wirtschaftliche Bedeutung für den Konzern

Da es keine wesentlichen Hindernisse mehr gibt, die der offiziellen Zertifizierung der Boeing 737 MAX 10 im Weg stehen, könnte die lang ersehnte Genehmigung durch die FAA schon in naher Zukunft erfolgen. Maßgebliche Branchenexperten und Analysten prognostizieren, dass die US-Behörde in der Lage ist, das finale Zulassungsdokument noch vor Ende des laufenden Monats Oktober auszustellen. Für den Boeing-Konzern hat dieser Meilenstein eine kritische strategische und finanzielle Bedeutung: Die MAX 10-Variante ist die geräumigste Version der Familie und verfügt über einen kolossalen Auftragsbestand. Nach Schätzungen der Finanzfirma Jefferies haben führende globale Fluggesellschaften fast 1.500 solcher Flugzeuge geordert, darunter Großkunden wie United Airlines und Alaska Airlines.