In der Nacht zum 19. September ereignete sich im besetzten Sewastopol ein Vorfall, den die russische Propaganda rasch in einen massiven Informationsgrund verwandelte. Das Gebäude der Panorama 'Verteidigung Sewastopols 1854–1855' stand in Flammen. Das Feuer und der dicke Rauch, der über dem historischen Gebäude aufstieg, dienten als Anlass für laute Erklärungen seitens der russischen Behörden und Sprecher des Kremls.

Die Version der 'Besatzer': Ein Schlag gegen die Geschichte

Der sogenannte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswojajew, reagierte als Erster auf den Vorfall. In seiner Erklärung beschuldigte er die Ukraine eines gezielten Angriffs auf das Gebäude mit Hilfe eines Drohnen. Laut Raswojajew sei das 'große Meisterwerk von Franz Rubo praktisch zerstört' worden.

Diese Linie wurde auch vom Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, unterstützt. Er erklärte, der 'Kiewer Regime habe begonnen, die Geschichte zu bombardieren', fügte jedoch hinzu, dass 'die Geschichte nicht besiegt werden kann'. Peskow versprach, dass das Objekt von 'wichtiger symbolischer und historischer Bedeutung' wiederhergestellt werden und 'besser als zuvor' sein werde.

Die Realität: Arbeit der Flugabwehr und Fakes über das Gemälde

Die tatsächliche Darstellung der Ereignisse sieht jedoch anders aus. Der Telegram-Kanal 'Krimski Weter' (Krimwind) stellt fest, dass der Brand im Panoramagebäude das Ergebnis der Arbeit des russischen Flugabwehrsystems (PVO) war. Die Autoren des Kanals weisen darauf hin, dass sich in der Nähe des historischen Objekts russische Militärobjekte befinden, was die Version eines Treffers einer Flugabwehrrakete auf das Gebäude wahrscheinlicher macht als einen gezielten Drohnenangriff.

Während der Nacht und des Morgens wurde in der Stadt viermal die Luftalarm ausgelöst. In Sewastopol selbst waren zwei mächtige Explosionen zu hören. Informationen über Verletzte liegen derzeit nicht vor.

Was ist tatsächlich verbrannt?

Das Zentrum für strategische Kommunikation und Informationssicherheit (SPRAVDI) widerlegte die Behauptungen der russischen Propaganda über die 'Zerstörung eines herausragenden Gemäldes'. Laut dem Zentrum manipulieren russische Ressourcen die Fakten gleich doppelt.

Erstens konnte das Originalwerk aus dem 19. Jahrhundert nicht beschädigt werden. Die Leinwand, die nach dem Brand von 1942 restauriert wurde, wird in einem anderen Gebäude aufbewahrt. Zweitens erlitt die aktuelle Ausstellung, die eine Kopie ist, laut Informationen des Museums selbst keine Schäden.

Experten erklären, dass russische Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg einfach ein neues Gemälde gemalt haben, das sie 'schöner als zuvor' nannten. 'Es hat eigentlich keinen künstlerischen Wert. Der Wert ist rein historisch: Es erinnert an die Versuche der kaiserlichen Familie, die Ereignisse rund um die Niederlage des Russischen Reiches im Krimkrieg zu verfälschen', so die Spezialisten.

Historischer Kontext und aktuelle Situation

Die Panorama 'Verteidigung Sewastopols 1854–1855' widmet sich den Ereignissen des Krimkrieges, der mit der Niederlage des Russischen Reiches gegen die Koalition aus dem Osmanischen Reich, Großbritannien, Frankreich und dem Königreich Sardinien endete. Nach dem Pariser Friedensvertrag wurde das Schwarze Meer als neutral erklärt, und Russland verlor das Recht, dort eine Marineflotte zu unterhalten.

Während der Kreml versucht, den Brand für propagandistische Zwecke zu nutzen, verändert sich die Realität auf der Halbinsel. Der ukrainische Nachrichtendienst führt weiterhin Angriffe auf Militäreinzüge der russischen Armee im vorübergehend besetzten Krimgebiet durch. Eisenbahnlager, die für den Transport von Munition, Militärausrüstung und Kraftstoff verwendet wurden, werden zu Zielen von Angriffen.

Zudem wird in Geschäften auf der besetzten Halbinsel ein Mangel an bestimmten Waren festgestellt. Zucker, Getreide, Mehl und Nudeln verschwinden von den Regalen. Infolgedessen haben Handelsketten Beschränkungen für den Verkauf von Produkten an eine Person eingeführt.