Ukrainische Verbraucher könnten bereits im Juli mit steigenden Preisen für dieses Grundnahrungsmittel konfrontiert werden. Experten der Branche prognostizieren, dass sich der Preis für Brot um etwa 5% erhöhen könnte. Diese Entscheidung der Bäckereien dient nicht der Gewinnsteigerung, sondern ist eine Reaktion auf gesetzliche Änderungen, die Arbeitsbedingungen und die Reservierung von Personal betreffen.

Hauptfaktor: Neue Regeln für Reservierung und Gehälter

Alexander Taranenko, Erster Vizepräsident der Allukrainischen Bäckerassoziation, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass die Hauptursache für die Preiserhöhung die Kabinettsverordnung Nr. 692 vom 30. Mai ist. Dieses Dokument verschärft die Anforderungen für Unternehmen, die das Recht behalten wollen, wehrpflichtige Mitarbeiter zu reservieren.

Die wesentliche Änderung betrifft das Durchschnittsgehalt. Damit ein Unternehmen Mitarbeiter legal reservieren kann, muss das durchschnittliche Gehalt im Betrieb nun etwa 26.000 Griwna betragen. Zuvor lag diese Schwelle bei 21.000 Griwna.

Dies bedeutet eine Notwendigkeit, den Lohnkostenfonds um mehr als 20% zu erhöhen. Da die Lohnkosten etwa 25% der Selbstkosten von Backwaren ausmachen, schlägt sich dieser Anstieg der Ausgaben unvermeidlich auf den Endpreis des Produkts nieder. Berechnungen zeigen, dass ein Anstieg des Lohnkostenfonds um 20% die Produktkosten um 5–6% erhöht.

Experten betonen, dass es sich um das Bruttogehalt handelt. Bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 26.000 Griwna erhalten die Arbeitnehmer netto etwa 20.000 Griwna. Unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Arbeit von Bäckern – Nachtschichten, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen – ist dieser Betrag nicht hoch, stellt für das Unternehmen jedoch eine erhebliche Belastung dar.

Hitze und Logistik: Zusätzliche Kosten

Neben den gesetzlichen Änderungen beeinflusst auch das Wetter die Selbstkosten. Hohe Temperaturen erfordern zusätzliche Ausgaben für die Aufrechterhaltung des technologischen Prozesses. Für eine qualitativ hochwertige Teigknetung müssen Wasser und Luft in den Werkstätten gekühlt werden, wo die Temperaturen bis zu 50 °C erreichen können. Ohne Kühlsysteme geht der Teig schnell sauer, was die Produkte unverkäuflich macht.

Außerdem erhöht die Hitze die Logistikkosten: Fahrzeuge benötigen mehr Energie für den Betrieb der Klimaanlagen. Die Situation wird durch weitere Faktoren verschärft:

  • Steigende Kosten für importierte Komponenten aufgrund des Wechselkurses und der Logistik.
  • Verteuerung von Reparatur- und Wartungsdiensten für Geräte.
  • Mangel an qualifiziertem Personal in verwandten Branchen.

Warum Mehl die Situation nicht rettet

In der Struktur der Selbstkosten von Brot machen Rohstoffe etwa 40% aus, wovon mehr als 30% auf Mehl entfallen. In letzter Zeit hat sich der Mehlpreis stabilisiert, und in einigen Regionen wurde sogar eine geringfügige Preissenkung verzeichnet – um 100–200 Griwna pro Tonne (etwa 1%).

Da Mehl jedoch nur ein Drittel der Selbstkosten ausmacht, wirkt sich seine Verbilligung nur um 0,3% auf den Endpreis des Produkts aus. Dies reicht nicht aus, um den Anstieg der Lohn- und Energiekosten zu kompensieren. Bäckereien verfügen nicht über eine ausreichende Rentabilität, um solche Kosten aus eigener Tasche zu decken.

Ausblick auf die Ernte

Bezüglich der zukünftigen Ernte bleiben die Prognosen positiv: Es wird mit einer Ernte von etwa 83 Millionen Tonnen Getreide gerechnet, wovon mehr als 20 Millionen Tonnen Weizen sein werden. Experten weisen jedoch darauf hin, dass der entscheidende Faktor nicht die Menge, sondern die Qualität des Getreides sein wird. In den letzten Jahren zeigt der Anteil von Nahrungsmittelweizen an der Gesamternte einen Trend zur Abnahme, was sich direkt auf die Marktpreise auswirkt.