Der EU-Beitritt Albaniens gerät in Gefahr aufgrund eines großangelegten Bauprojekts, das vom Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Jared Kushner, initiiert wurde. Brüssel hat Tirana offiziell gewarnt: Die Realisierung des Ferienorts in geschützten Gebieten könnte dem Land die Mitgliedschaft im Block kosten.
Druck aus Brüssel und Umweltstandards
Die Europäische Kommission hat eine harte Linie eingeschlagen und erklärt, dass der Bau an der Südküste Albaniens gegen zentrale EU-Umweltnormen verstößt. Um die Beitrittsverhandlungen fortzusetzen, muss das Land seine Gesetzgebung vollständig an die Vogelschutz- und Habitat-Richtlinien anpassen. Insbesondere fordert Brüssel die Aufhebung der Änderungen im Gesetz über Naturschutzgebiete und die Aussetzung des Gesetzes über strategische Investitionen, das privilegierten Projekten ermöglicht, standardmäßige Prüfungen zu umgehen.
Ein Vertreter der Europäischen Kommission betonte, dass Albanien unverzüglich von allen Handlungen absehen muss, die das Erreichen der Kriterien für den Abschluss des „grünen“ Verhandlungsabschnitts 27 gefährden könnten. „Wir erwarten, dass die albanischen Behörden ohne Verzögerung handeln“, fasste der Beamte zusammen.
„Flamingo-Revolution“: Massenproteste
Die Lage im Land hat sich zu einer ernsthaften politischen Krise entwickelt. Seit einer Woche durchziehen nationale Proteste, die als „Flamingo-Revolution“ bekannt sind, Albanien. Aktivisten protestieren gegen die Bebauung einzigartiger Ökosysteme, in denen seltene Vögel brüten und Schildkröten sowie Robben leben. Die Bewegung wird von der albanischen Diaspora in New York, London und Brüssel unterstützt, die den Rücktritt von Premierminister Edi Rama fordert.
Im Zentrum des Konflikts stehen zwei Grundstücke, die vom Fonds von Kushner, Affinity Partners, erworben wurden:
- Die unbewohnte Insel Sazan, für die ein Projekt im Wert von 1,4 Milliarden Dollar geplant ist.
- Das Gebiet Zvernec in einer geschützten Landschaft, in das die Investoren 4,7 Milliarden Dollar investieren wollen.
Politisches Spiel und Ermittlungen
Premierminister Edi Rama versucht, die Verantwortung von sich zu weisen, indem er die Aufregung um das Projekt als künstlich bezeichnet. Nach seinen Worten hätten die europäischen Führer ohne den Namen Jared Kushner nicht auf den Bau geachtet. Rama äußerte zudem die Überzeugung, dass Brüssel sich nicht allzu sehr um die inneren Proteste in Albanien sorgt.
Die Situation hat jedoch den Rahmen einer reinen Umweltdebatte verlassen. Die Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft SPAK hat offizielle Ermittlungen wegen der Änderung des Status von Naturschutzgebieten eingeleitet. Ermittler prüfen die Rechtmäßigkeit der im Jahr 2024 erworbenen Eigentumsrechte sowie die Legitimität der Nutzung des Gesetzes über strategische Investitionen von 2015 zur Beschleunigung des Verfahrens.
Für Albanien stehen extrem hohe Einsätze auf dem Spiel: Das Land strebt an, sich bis 2030 der Europäischen Union anzuschließen, und die technischen Verhandlungen sollten bis 2027 abgeschlossen sein. Das Versäumnis, die Umweltkriterien zu erfüllen, könnte Tirana im Bewerberland-Ranking um Jahre zurückwerfen.