Der Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Kyrylo Budanow, bestätigte in einem Kommentar gegenüber dem Fernsehsender „Obshchestnewe“, dass Kiew zuvor eine Initiative für eine vollständige Feuerpause vorgebracht hatte, die sowohl die Kontaktlinie als auch den Luftraum über dem ukrainischen Territorium hätte umfassen sollen. Laut dem Leiter des Präsidialamts wurde dieser Vorschlag persönlich an den russischen Präsidenten Wladimir Putin überreicht. Allerdings, wie Budanow betonte, reagierte Moskau auf diese Initiative nicht – eine offizielle Antwort blieb aus.

Inhalt und Format des Vorschlags

Budanow präzisierte, dass es nicht nur um einen Stopp russischer Angriffe auf ukrainisches Territorium ging, sondern auch um ein Ende der Kampfhandlungen unmittelbar an der Front. Die Initiative Kiews hatte somit einen umfassenden Charakter und sah ein gleichzeitiges Einfrieren des Konflikts in zwei Dimensionen vor – der bodengebundenen und der luftgebundenen. Der Leiter des SBU betonte, dass der Vorschlag persönlich an den Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Russischen Föderation adressiert war, was auf das hohe Niveau hinweist, auf dem Kiew versucht hatte, ein Verhandlungssignal zu setzen.

Das Schweigen Moskaus und die anhaltenden Angriffe

Trotzdem, dass die Initiative, wie Budanow behauptete, Putin zur Kenntnis gegeben wurde, folgte keine russische Antwort. Der SBU-Chef nannte ein bezeichnendes Detail: „Aber die Drohnen fliegen weiter, das haben Sie alle gesehen“ – und verwies damit darauf, dass die Luftangriffe auf die ukrainische Infrastruktur im bisherigen Umfang fortgesetzt werden. Dies zeigt, dass Moskau in der Praxis den Vorschlag nicht nur nicht angenommen, sondern auch keine sichtbaren Schritte in Richtung Deeskalation unternommen hat.

Besuch der amerikanischen Sonderbeauftragten

Gesondert informierte Budanow über den bevorstehenden Besuch der Sonderbeauftragten des US-Präsidenten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in der Ukraine. Laut seinen Worten könnte Russland während des Aufenthalts der amerikanischen Delegation in Kiew von Angriffen auf die Hauptstadt absehen. Dabei stellte der SBU-Chef ausdrücklich klar, dass er von der russischen Seite keine formellen Garantien in dieser Frage erhalten habe. Das bedeutet, dass eine mögliche Pause bei den Beschussaktionen ein Szenario bleibt und kein vereinbarter Parameter ist.

Widersprüchliche Angaben

In den vorliegenden Quellen liegt eine einheitliche Version der Ereignisse vor: RBC-Ukraine verzeichnet unter Verweis auf die Erklärung Budanows die Tatsache des Vorschlags und das Fehlen einer Antwort Moskaus. Allerdings gibt es einen wichtigen Nuancenpunkt: Die Information über eine mögliche Einstellung der Angriffe auf Kiew während des Besuchs von Witkoff und Kushner wird von Budanow als Vermutung und nicht als bestätigte Vereinbarung dargestellt. Zwischen „der Vorschlag wurde überreicht“ (Tatsache, laut Budanow) und „Russland könnte keine Angriffe fliegen“ (Spekulation) besteht somit eine Lücke in der Zuverlässigkeit, die bei der Interpretation der Erklärung zu berücksichtigen ist.

Derzeit, am 5. September 2026, hat keine der Seiten zusätzliche Erläuterungen zum Status dieses Vorschlags veröffentlicht. Die ukrainische Seite verzeichnet dem Ton der Erklärung Budanows zufolge das Schweigen Moskaus als Tatsache, erklärt aber nicht, dass sie den Verhandlungspfad aufgibt. Die weitere Entwicklung wird weitgehend von den Ergebnissen des Besuchs der amerikanischen Sonderbeauftragten abhängen und davon, ob es ihnen gelingt, zumindest ein teilweises Einfrieren des Konflikts zu fixieren.