Die neuesten russischen Raketenkomplexe „Oreschnik' und „Kedr', die in den Medien breite Resonanz finden, gelten nach Einschätzung der ukrainischen Führung vor allem als Instrument der Machtdemonstration. Die tatsächlichen und dringlichsten Probleme für das Land bereitet bereits das vorhandene Arsenal Moskaus. Dies erklärte Kirill Budanow, Leiter des Präsidentenbüros der Ukraine, während eines Vortrags auf dem internationalen Forum „Architektur der Sicherheit'.

Prioritäten der Bedrohungen: von „Iskander' bis zu UAVs

In seinem Bericht nannte Budanow eine klare Liste von Waffensystemen, die für die Ukraine in der aktuellen Phase des Konflikts die größte Gefahr darstellen. Laut ihm verfügt der Kreml über ein „absolut ausreichendes' Arsenal für Angriffe, das Folgendes umfasst:

  • Ballistische Raketen des Komplexes „Iskander';
  • Flugabwehrraketensysteme S-400, die für Angriffe auf Bodenziele eingesetzt werden;
  • Kreuzfahrtraketen mit Luft- und Seebasis;
  • Unbemannte Fluggeräte (UAVs).

Der offizielle Sprecher des Präsidentenbüros betonte, dass genau diese Systeme den Hauptteil der Schäden verursachen und nicht die neuesten Entwicklungen, die oft als bahnbrechend dargestellt werden.

Psychologischer Aspekt und Moral

Auf die Frage, ob eine Eskalation des Raketeneinsatzes den moralischen Willen der Ukrainer brechen könnte, bezeichnete Budanow diese Frage als rhetorisch. Er stellte fest, dass der Aggressor dieses Ziel in den Jahren des Krieges nicht erreichen konnte und dies auch in Zukunft nicht tun wird, trotz des Einsatzes neuer Waffentypen.

„Oreschnik' unter der Lupe: Daten für Analysten

Die Ereignisse rund um den Einsatz der Rakete „Oreschnik' in der Nacht zum 24. Mai waren Anlass für eine detaillierte Analyse. Nach einem kombinierten Angriff auf Kiew sammelten ukrainische Spezialisten eine erhebliche Menge an Trümmerteilen. Ein Teil davon wurde zur Untersuchung an westliche Partner, einschließlich des US-Nachrichtendienstes, übergeben.

In den USA wurde der Einsatz dieser Rakete als Schritt des Kremls zur Eskalation des Konflikts gewertet. Für die Ukraine und ihre Verbündeten bot dieser Start jedoch die Möglichkeit, wertvolle technische Daten über die tatsächlichen Eigenschaften eines der geheimsten russischen Waffensysteme zu erhalten.

Probleme mit der Zuverlässigkeit: OSINT-Daten

Die analytische Gemeinschaft hat auch auf mögliche technische Störungen des neuen Systems hingewiesen. Forscher des Instituts für Kriegsstudien (ISW) stellten die Hypothese auf, dass Russland in der Nacht zum 24. Mai möglicherweise zwei „Oreschnik'-Raketen gleichzeitig gestartet hat.

Laut OSINT-Forschern verlor eine der Raketen die Kontrolle und stürzte auf dem besetzten Gebiet der Region Donezk ab. Sollte sich diese Information bestätigen, wäre dies ein Beleg für ein extrem hohes Ausfallrisiko der neuen Entwicklung. Experten weisen darauf hin, dass in einem solchen Fall jeder vierte Start mit einem Fehlschlag enden könnte, was die betriebliche Zuverlässigkeit des Komplexes in Frage stellt.