Russland steht derzeit keinen technischen Hindernissen gegenüber, die eine neue Welle der Mobilisierung in diesem Jahr verhindern würden. Dies erklärte Kirill Budanow, Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, in einem Interview mit der Ausgabe RBC-Ukraine.

Technische Bereitschaft für eine Massenmobilisierung

Nach Ansicht Budanows gibt es in Moskau keine objektiven Gründe, die eine Organisation der Mobilisierung verhindern könnten, die mit derjenigen von 2022 vergleichbar wäre. In jenem Zeitraum wurden innerhalb eines Jahres etwa 450.000 Personen eingezogen. Der Experte betont, dass das russische System technisch in der Lage ist, dieses Szenario zu wiederholen.

„Können sie etwas in diesem Maßstab tun? Ja, sie können es. Technisch steht ihnen nichts im Wege. Dass sie es nicht wollen, ist eine Tatsache. Aber wenn sie sehen, dass es keine andere Alternative gibt, werden sie es tun“, so der Vertreter der ukrainischen Regierung.

Einfluss der Wahlen auf die Entscheidungsfindung

Separat wurde die Frage diskutiert, inwieweit die im September bevorstehenden Wahlen zur Staatsduma die Entscheidung über eine Mobilisierung beeinflussen könnten. Budanow bezeichnete dieses Thema als diskussionswürdig und wies auf widersprüchliche Argumente sowohl für als auch gegen den Einfluss des Wahlzyklus hin.

Als Beispiel führte er die Ereignisse des Jahres 2024 an, als Wahlen vor dem Hintergrund einer aktiven Phase der Kampfhandlungen in der Region Belgorod stattfanden. Trotz der Tatsache, dass die Einwohner der Stadt aufgrund von Beschussmassenweise das Gebiet verließen, war die Wahlbeteiligung in Belgorod die höchste im Land. Dies zeige, so Budanow, dass administrative und politische Prozesse in Russland auch unter Bedingungen militärischer Spannungen fortgesetzt werden können.

Soziale Spannungen und die Haltung der Eliten

Trotz der vorhandenen technischen Möglichkeit einer Mobilisierung bleibt die Situation innerhalb Russlands komplex. Budanow stellte fest, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Aktionen der Behörden bisher nicht in aktive Protestaktionen übergegangen ist. Das Niveau der sozialen Spannungen hat noch nicht den kritischen Punkt erreicht, der Massendemonstrationen auslösen könnte.

Gleichzeitig zeigt das Vertrauen der Russen in den Führer Wladimir Putin eine Tendenz zum Rückgang, obwohl die Zustimmung zu seiner Tätigkeit immer noch bei etwa 70 % liegt. Langfristig wird, so der Experte, das Schicksal der aktuellen Politik von den russischen Eliten entschieden werden müssen, die sich in einer Unsicherheit zwischen dem Beenden des Konflikts mit der Ukraine und der Eskalation der Beziehungen zur NATO befinden.