Die Frage, wie genau die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland nach dem Ende der Kampfhandlungen gestaltet sein werden, bleibt offen. Dennoch ist die Notwendigkeit, sich auf das Leben mit der Russischen Föderation als ständigen Nachbarn vorzubereiten, bereits eine Tatsache. Dies erklärte der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Kirill Budanow, während eines Treffens mit Studierenden der Nationalen Universität „Kiewer Mohyla-Akademie“.
Die Realität der Nachbarschaft
In seiner Rede betonte Budanow, dass die Entwicklungsszenarien sehr unterschiedlich sein können, die geografische Realität jedoch unverändert bleibt. Laut ihm wird ein bestimmtes Territorium immer an die Ukraine grenzen, und das Land muss sich langfristig auf diese Tatsache vorbereiten.
Der Chef des Präsidentenbüros merkte an, dass es derzeit verfrüht sei, Details über zukünftige Zusammenarbeit oder Konfrontation zu diskutieren, da sich der Konflikt in einer aktiven Phase befindet. Budanow zog historische Parallelen und wies darauf hin, dass die UdSSR während des Zweiten Weltkriegs keine wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland unterhielt, als die Kampfhandlungen auf dem Höhepunkt waren, obwohl die Situation zu Beginn des Konflikts anders gewesen sein könnte. Eine ähnliche Logik, so seine Ansicht, galt auch für die Beziehungen zu den USA.
„Man kann nicht darüber sprechen, wie die Beziehungen während der heißen Phase aussehen werden. Das ist schlichtweg unangemessen“, fasste Budanow zusammen und forderte dazu auf, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren – dem Stopp des Krieges.
Moskaus Position und die Pause in den Verhandlungen
Gegenwärtig befindet sich der Verhandlungsprozess zwischen Kiew und Moskau in einer Phase der Stille. Der offizielle Dialog wurde bereits im Winter ausgesetzt. Laut vorliegenden Daten war die Ursache für das Scheitern der Kontakte zunächst das Eingreifen externer Faktoren, einschließlich der USA, die als Vermittler fungierten.
Später wurde die Initiative für einen Dialog von der russischen Seite abgelehnt. Im Kreml wurde erklärt, dass man nur bereit sei zu verhandeln, wenn die Ukraine bereit ist, die Kontrolle über den Donbass aufzugeben. In letzter Zeit hat sich die Situation nicht geändert: Der russische Führer Wladimir Putin erklärte, es gäbe keine Voraussetzungen für Verhandlungen.
Putin kritisierte das Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der ihm am 4. Juni gesandt wurde, und erklärte, das Dokument biete keine Basis für einen Dialog. In Moskau werden jedoch regelmäßig Vorschläge gemacht, die Kommunikation „auf der Basis der Istanbuler Vereinbarungen“ wieder aufzunehmen, doch Kiew sieht dies derzeit nicht als konstruktiven Ausweg aus der Krise an.