In Brüssel steht die Diskussion über das 21. Sanktionspaket gegen Russland auf der Tagesordnung. Doch die Einheit der Europäischen Union scheint erschüttert: Ein Mitgliedstaat hat harte Bedingungen gestellt, deren Nichterfüllung ein Veto gegen die neuen Beschränkungen zur Folge hätte.

Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev erklärte am 3. Juli direkt im Parlament, dass sein Land gegen das vorgeschlagene Paket stimmen werde, wenn zwei Schlüsselfiguren nicht ausgenommen werden: der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche Kirill und der Mitbegründer von LUKOIL, Wagit Alekperow.

Energiepolitik vor Ideologie

Der Grund für diese scharfe Äußerung liegt nicht in der Ideologie, sondern im Pragmatismus. Radev betonte, dass der Verzicht auf Sanktionen notwendig sei, um die energiepolitischen Interessen Bulgariens zu schützen. Die Verbindungen zum russischen Geschäft, insbesondere zu LUKOIL, seien für die Stabilität der Energieversorgung des Landes von kritischer Bedeutung.

Was die kirchliche Frage betrifft, so machte der bulgarische Staatschef eine wichtige Präzisierung. Er erklärte, dass die Person des Patriarchen Kirill als solche für ihn nicht von Interesse sei. Allerdings habe seine Funktion als Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche eine enorme Bedeutung für die regionale Stabilität und die interkonfessionellen Beziehungen, was seine Aufnahme in die Sanktionslisten unmöglich mache.

Diplomatisches Patt und die Position der EU

Die Position von Sofia ist nicht isoliert. Auch Italien hatte zuvor Bedenken hinsichtlich der Einführung von Beschränkungen gegen Patriarch Kirill geäußert. Dennoch ist man in Brüssel entschlossen. Die Leiterin des Auswärtigen Dienstes der EU, Kaja Kallas, hat bereits vorgeschlagen, dem russischen Patriarchen ein Visum zu verweigern, und betrachtet dies als notwendigen Schritt.

Das neue Sanktionspaket sollte in der kommenden Woche verabschiedet werden. Nach Angaben europäischer Beamter wird dies eine direkte Antwort auf den kombinierten Angriff auf Kiew in der Nacht vom 2. Juli sein.

Die Ölfrage und Geopolitik

Parallel zur Debatte über konkrete Personen gehen in der EU die Streitigkeiten um Energieressourcen weiter. Die baltischen Staaten haben die Europäische Union aufgefordert, die Einfuhr russischen Öls vollständig zu verbieten. Die Verhandlungen zu diesem Thema sind jedoch faktisch zum Erliegen gekommen. Grund dafür sind die Ereignisse im Ormus-Sund, wo die Schließung der Wasserstraße neue Risiken für den Welthandel geschaffen und die logistischen Lieferketten gefährdet hat.

So steht Brüssel vor der Verabschiedung des 21. Sanktionspakets vor einer schwierigen Aufgabe: Die Einheit der Front gegen Russland zu wahren, ohne dabei die Unterstützung der wichtigsten Partnerländer zu verlieren, die ihre eigenen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen über die allgemeine Rhetorik stellen.