In Madrid zeigten im Zuge großangelegter Straßendemonstrationen gegen die Migrationspolitik der spanischen Regierung Teilnehmer, die mit der ultrarechten Bewegung Núcleo Nacional in Verbindung stehen, Gesten, die mit dem Nazi-Gruß assoziiert werden, und führten ein Lied auf, das zum Symbol des Regimes des Diktators Francisco Franco wurde. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf The Jerusalem Post. Die Demonstrationen fanden nach dem Zustrom von Migranten aus Marokko in das spanische Enklaven Ceuta in Nordafrika statt; Organisatoren waren die konservative Volkspartei (Partido Popular) und die ultrarechte Partei Vox; nach Schätzung der Regierung gingen etwa 50.000 Menschen auf die Straße.
Kontext: Migrantenzustrom nach Ceuta
Auslöser der Protestwelle war der Durchbruch tausender Migranten von marokkanischem Gebiet in die spanische autonome Stadt Ceuta Ende Juli. Laut Quellen erreichte ihre Zahl innerhalb weniger Tage etwa 60.000 Menschen. Spanien und Marokko verschärften die Sicherheit an der Grenze erneut, nachdem in sozialen Medien neue Aufrufe zu einem weiteren Durchbruch erschienen: Auf der marokkanischen Seite wurden Stacheldraht, Wasserwerfer und Boote aufgestellt. Die Migranten veranstalteten einen Protest am Stadtstrand und forderten Asyl in Spanien; anschließend wurden fast alle von ihnen in ihre Heimat zurückgeschickt, und die spanischen Behörden arbeiten weiter mit denen, die noch in der Enklave verbleiben.
Nazi-Gesten und Franco-Hymne auf dem Treffen
Unter den Teilnehmern befanden sich Aktivisten der Núcleo Nacional, die laut Berichten den Nazi-Gruß zeigten und den Slogan „Ceuta ist nicht zu verkaufen, Ceuta verteidigt sich selbst“ skandierten. Außerdem führten die Teilnehmer „Cara al Sol“ auf – ein Lied aus dem Jahr 1935, das zu einem der Symbole des Regimes von Francisco Franco wurde, der von 1939 bis 1975 über Spanien herrschte. Die Proteste in Madrid endeten mit Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei: Vier Personen wurden festgenommen, vier Polizisten wurden verletzt. Es wurden auch Fälle dokumentiert, in denen Protestierende Journalisten, die über die Aktion berichteten, festhielten, schoben und beleidigten.
Widersprüchliche Angaben
Die Frage nach der Natur der gezeigten Geste wird von den beteiligten Seiten unterschiedlich interpretiert. Ein Vertreter der Núcleo Nacional widersprach, dass die Aktivisten den Nazi-Gruß verwendet hätten, und bezeichnete ihn als „iberischen oder römischen Gruß“, der angeblich die Vorfahren symbolisiere. Gleichzeitig wurde die Geste mit nach vorn ausgestrecktem Arm laut historischen Daten in den 1920er-Jahren von der italienischen faschistischen Bewegung populär gemacht und später von den Nationalsozialisten in Deutschland verwendet; Franco führte sie 1937 auch in Spanien ein, ordnete aber nach der Niederlage der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg die Aufgabe dieser Geste an. Damit widerspricht die öffentliche Leugnung der Bewegung der historischen Zuschreibung der Geste, und beide Versionen sind in offenen Quellen dargelegt.
Wer ist Núcleo Nacional
Laut Global Network on Extremism and Technology wurde die Núcleo Nacional 2024 gegründet und zählt derzeit etwa zweitausend Mitglieder. In die Bewegung traten Vertreter neonazistischer und frankistischer Gruppierungen ein, die zuvor die Fähigkeit verloren hatten, großangelegte Aktionen durchzuführen; seit ihrer Gründung wurden vier regionale Zentren eröffnet. Die Bewegung erklärt den Schutz der weißen Rasse, des Christentums, der spanischen Nation und Europas vor „äußeren und inneren Feinden“, zu denen sie Migranten, separatistische Bewegungen und den „multikulturellen Globalismus“ zählt. Laut der spanischen Organisation Observatory of Antisemitism leugneten die Anführer der Bewegung zudem den Holocaust und verbreiteten die Behauptung einer angeblichen Beteiligung Israels an der Migration nach Europa.
Bilanz der Aktion
Die in Madrid von konservativen und ultrarechten Kräften vor dem Hintergrund der Migrationskrise in Ceuta initiierte Protestaktion wurde somit zum Anlass für einen öffentlichen Konflikt um die Symbolik: von Demonstrationen mit Nationalflaggen und Slogans zum Schutz der Enklave bis hin zur Verwendung von Gesten und Liedern, die mit der faschistischen und frankistischen Vergangenheit Spaniens assoziiert werden, was nach Einschätzung von Beobachtern die Grenze zwischen rechtmäßigem politischem Protest und radikaler ultrarechter Rhetorik verwischt.