Der spanische Exklave Ceuta in Nordafrika erlebt eine beispiellose Migrationskrise. Innerhalb der letzten 24 Stunden sind zehntausende Menschen illegal durch die Grenzbarrieren zu Marokko eingedrungen. Nach offiziellen Angaben haben mehr als 40.000 Personen die Grenze überschritten, wobei einige Quellen von einer Zahl sprechen, die sich 50.000 nähert. Zum Vergleich: Dies entspricht mehr als der Hälfte der Bevölkerung der Stadt selbst, die bei 83.600 Einwohnern liegt.

Massiver Durchbruch und Zusammenstöße

Die Ereignisse entwickelten sich rasant. Tausende Menschen, überwiegend junge Männer, überfluteten die Straßen Ceutas. Einheimische beschreiben die Lage als extrem angespannt und berichten, dass ein Großteil der Ankömmlinge die Nacht im Freien verbracht hat. An der Grenze kam es zu massiven Zusammenstößen: Migranten durchbrachen die Zäune, und die Polizei sah sich gezwungen, Tränengas und Wasserwerfer einzusetzen, um den Strom zu stoppen.

Die Tragödie verschonte auch diesen Tag nicht. Derzeit ist der Tod von mindestens 27 Migranten bestätigt, die versuchten, von Marokko aus auf spanisches Gebiet zu gelangen.

Reaktion der Behörden und militärische Präsenz

Die spanischen Behörden verschärfen die Kontrolle über die Stadt in aller Eile. Zusätzliche Militäreinheiten wurden in die Exklave entsandt, um die Zivilgarde zu unterstützen. Die Lage wird persönlich vom Premierminister Pedro Sánchez und dem Innenminister Fernando Grande-Marlaska bewertet, die nach Ceuta gereist sind.

Gleichzeitig hat sich der Prozess der Stabilisierung bereits eingeleitet: Ein Teil der Migranten hat begonnen, freiwillig oder mit Unterstützung spanischer Soldaten über die Grenzübergänge zurück nach Marokko zukehren.

Nachhall in Europa: Bedrohung für Schengen

Der Migrationszusammenbruch in Ceuta hat in Brüssel und den Hauptstädten der Partnerländer für Aufsehen gesorgt. Italien hat erklärt, die Möglichkeit einer Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien zu prüfen. Premierministerin Giorgia Meloni betonte die Entschlossenheit Roms:

„Italien wird nicht tatenlos zusehen. Wir berufen die zuständigen Gremien ein, und nach diesen Treffen sind wir bereit, einzugreifen, insbesondere durch Notfallmaßnahmen zum Schutz unserer Grenzen und zur Sicherheit unserer Bürger, wie etwa die Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien. Wir werden keinen Zentimeter in der Frage der illegalen Einwanderung nachgeben.“

Eine ähnliche Position vertritt auch Finnland. Der finnische Innenminister forderte alle europäischen Staaten auf, Spanien vorübergehend aus dem Schengen-Raum auszuschließen, angesichts des unkontrollierten Zustroms von Migranten.

Lage in Melilla

Auch der benachbarte spanische Exklave Melilla war von den Problemen betroffen. Dort wurde in derselben Nacht ein Durchbruchsversuch registriert, bei dem zwischen 300 und 400 Personen die Grenze überqueren konnten, wobei das Ausmaß des Ereignisses dort jedoch deutlich geringer war als in Ceuta.