Der Vizepräsident von Polissja und ehemalige Mittelfeldspieler von Dynamo Kiew, Alexander Chazkewitsch, teilte seine Erinnerungen an den Beginn seiner Karriere beim ukrainischen Spitzenklub. In einem offenen Interview auf dem YouTube-Kanal von Denys Boiko sprach der weißrussische Spezialist über die Besonderheiten des Trainingsprozesses und den einzigartigen Ansatz des legendären Trainers Jozef Sabo bei der Führung einer Star-Truppe.

Anpassung im neuen Verein und der Stil von Jozef Sabo

Laut Chazkewitsch erinnerte der emotionale und expressive Arbeitsstil von Jozef Sabo stark an die Methoden von Eduard Malofejew, dem bekannten Trainer der weißrussischen Nationalmannschaft. Sabo ging ebenfalls völlig im Spiel auf und zeigte unglaubliche Impulsivität an der Seitenlinie. Dennoch fiel es dem Neuzugang relativ leicht, sich in die Mannschaft zu integrieren, da die weißrussische Meisterschaft zu dieser Zeit nach dem System "Frühjahr-Herbst" ausgetragene wurde und Chazkewitsch in optimaler Spielverfassung war, während die Dynamo-Spieler gerade aus dem Urlaub zurückkehrten.

Unerwartet entspannte Atmosphäre und Kartenturniere

Besondere Überraschung rief beim jungen Mittelfeldspieler das Mikroklima innerhalb der Mannschaft und die Autorität der erfahrenen Spieler hervor. Wenn Teamführer wie Jurij Kalitwinzew, Viktor Leonenko oder Serhij Beshenar dem Trainer offen von Müdigkeit berichteten, kam Jozef Sabo ihnen entgegen und strich die geplanten Belastungen. Chazkewitsch erinnerte sich an einen Vorfall, bei dem die Mannschaft statt des Abendtrainings gemütlich Karten spielte und die Veteranen den Neuzugang mit den Worten beruhigten, dass bereits alles mit dem Mentor geregelt sei, was ein Gefühl erstaunlicher Leichtigkeit vermittelte.

Widersprüchliche Daten

Es ist erwähnenswert, dass die Erinnerungen von Alexander Chazkewitsch an Sabos weichen Ansatz im Widerspruch zu anderen Aussagen von Veteranen derselben Periode stehen. So sprach der ehemalige Torhüter und heutige Kiewer Trainer Alexander Schowkowski öffentlich über völlig gegenteilige Episoden harten Drucks seitens des Trainers. Laut Schowkowski war Sabo nach erfolglosen Spielen so wütend, dass er fast zu körperlicher Gewalt gegen Spieler griff und maximalen Einsatz forderte, was den komplexen und vielschichtigen Charakter des Spezialisten verdeutlicht.

Sportliche Ergebnisse und europäische Rückschläge

Trotz der angenehmen Atmosphäre und des Vertrauens des Trainerstäbs, der Chazkewitsch in der ukrainischen Meisterschaft häufiger in der Startelf einsetzte als Waljanzin Belkewitsch, brachte die internationale Bühne dem Team eine herbe Enttäuschung. Kiew musste schmerzhafte Niederlagen gegen Rapid Wien und Neuchâtel Xamax hinnehmen, schied vorzeitig aus den europäischen Wettbewerben aus und ließ die Fans ohne Europapokal-Frühjahr zurück, was einen schweren Schlag für den ambitionierten Klub darstellte.