Die Volksrepublik China (VR China) hat offiziell die Erweiterung der Patrouillenzonen und der Durchsetzungsbereiche ihrer maritimen Behörden angekündigt. Der Zuständigkeitsbereich der Küstenwache Chinas (CCG) und der Verwaltung für maritime Sicherheit (MSA) umfasst nun auch das Gewässer östlich von Taiwan. Laut Berichten des Senders CNN und Satellitenüberwachungen werten internationale Analysten diese Maßnahmen als klassische Ausweitung der Taktik der „Grauen Zone“. Peking strebt an, den Status quo in der Region schrittweise zu verändern, ohne dabei einen direkten kinetischen Konflikt auszulösen.

Geografischer Wandel: Von der Meerenge zum offenen Meer

Die Geografie der chinesischen Aktivitäten hat sich erheblich verändert. Während chinesische Kriegsschiffe und Küstenwachboote zuvor hauptsächlich in der Taiwanstraße und um die Küstenarchipele wie Kinmen und Matsu registriert wurden, verlagern sich die aktuellen Operationen in den offenen Bereich des Philippinischen Meeres. Chinesische Schiffe haben die sogenannte „Erste Inselkette“ verlassen, was die Situation für Taipeh erheblich verkompliziert.

Der formale Anlass für die Intensivierung der Patrouillen und die Kartierung des Meeresbodens waren die Absichten Japans und der Philippinen, bilaterale Verhandlungen über die Delimitation ihrer ausschließlichen Wirtschaftszonen aufzunehmen. Peking erklärte, dass jegliche solche Grenzziehungen Gewässer betreffen, auf die die VR China aufgrund ihrer Position zum Souveränitätsanspruch über Taiwan Ansprüche erhebt.

Institutionalisierung der Kontrolle und die „polizeiliche“ Fassade

Ein Schlüsselmerkmal der neuen Strategie ist der Einsatz ziviler und rechtserzwingender Schiffe (MSA und CCG) anstelle der regulären Marine. Dies ermöglicht Peking, die Umsetzung „innerstaatlicher“ polizeilicher und administrativer Funktionen zu deklarieren, einschließlich Umweltmonitoring und Schifffahrtsregulierung.

Es wurden jedoch Fälle von Funkanfragen chinesischer Schiffe an Handelsschiffe registriert, die in taiwanische Häfen fahren. Eine solche Taktik schafft Präzedenzfälle für potenzielle Eingriffe in Handelsrouten unter dem Deckmantel administrativer Kontrolle.

Strategische Bedrohung der Ostküste

Die Ostküste Taiwans spielt eine kritische Rolle in der Verteidigungsdoktrin der Insel. Hier befinden sich geschützte Tiefwasserhäfen (Suao, Hualien) und befestigte Luftwaffenbasen, einschließlich des unterirdischen Komplexes Jiasan. Durch diesen Teil des Philippinischen Meeres verlaufen die wichtigsten See- und Luftverbindungen, die die Insel mit Japan und den USA verbinden.

Diese Routen sind lebenswichtig für die Lieferung von Energieträgern, insbesondere Flüssigerdgas, und für die logistische Versorgung. Die ständige Präsenz chinesischer Streitkräfte in dieser Zone dient der Erprobung potenzieller Seeblockade-Mechanismen, der detaillierten Kartierung des Unterwasserreliefs zur Unterstützung der U-Boot-Flotte und der psychologischen Beeinflussung der taiwanesischen Führung.

Reaktion der internationalen Gemeinschaft

Die Situation löste eine sofortige Reaktion seitens Taiwans und seiner Verbündeten aus. Das Verteidigungsministerium und der Ozeanische Rat Taiwans charakterisierten die Maßnahmen der VR China als vorsätzliche Provokation und Element eines kognitiven Krieges. Als Antwort setzte Taipeh Schiffe der eigenen Küstenwache für die Überwachung ein und verlegte zusätzliche mobile Küsten-Raketenkomplexe vom Typ Hsiung Feng in Richtung Osten. Zudem wurden Stabsübungen durchgeführt, die Szenarien zur Reaktion auf Durchsuchungen ziviler Schiffe durch chinesische Strukturen simulierten.

Die USA nahmen eine harte Position ein: Das Kommando der Siebten Flotte der US-Marine und das Außenministerium erklärten die Maßnahmen Pekings als destabilisierend. Washington bekräftigte seinen Willen, die Freiheit der Schifffahrt in internationalen Gewässern zu gewährleisten, und überstellte den Philippinen eine Lieferung maritimer unbemannter Fluggeräte zur Stärkung der Grenzkontrolle.

Besondere Aufmerksamkeit erregte eine seltene gemeinsame Erklärung der diplomatischen Vertretungen Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands in Taipeh. Die europäischen Verbündeten äußerten ihre Besorgnis über die neue Form der Aktivitäten der VR China und wiesen auf potenzielle Bedrohungen für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt im Pazifik hin.